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Zur Turbellarien-Fauna der Donau

an der Laan, Hannes

Kurzfassung

Für die Turbellarien-Forschung ist die gesamte Donau mit ihren Neben- und Altwässern weitgehend Neuland. Es ist eigenartig, daß der nach der Wolga zweitgrößte Strom Europas (abgesehen von fischereilichen Gesichtspunkten) hydrobiologisch bis in die letzten Jahre nur unzureichend erforscht ist. Liepolt (1961) spricht sich im gleichen Sinn aus, wenn er sagt: ".. . daß es ein Kuriosum der Fließgewässerforschung ist, daß dieser größte mitteleuropäische Strom bisher nur geringes limnologisches Interesse gefunden hat." Bis zum Jahre 1959 waren es nur zwei Forscher, die sich an zwei Stellen der Donau mit Turbellarien-Untersuchungen befaßten: Codreanu in Rumänien und Vornatscher in Österreich. Die ersten auf den Donau-Strom selbst Bezug nehmenden Arbeiten - sie sind bis zu dem genannten Jahr die einzigen geblieben - stammen von Codreanu. Codreanu wurde zunächst von Bacesco (1949) auf das zahlreiche Vorkommen einer kleinen vieläugigen Triklade aufmerksam gemacht, die im überfluteten Felsbereich des Eisernen Tores lebt. Das war im Jahre 1942. Später sammelte Codreanu eine große Zahl dieser interessanten Tiere und veröffentlichte eingehende Beschreibungen über Anatomie und Ökologie (1949, 1950). Vornatscher (1938) befaßte sich mit Donau-Altwässern im Wiener Stadtgebiet und führte hydrobiologische Untersuchungen vorwiegend im sogenannten Lusthauswasser des Wiener Praters durch, wobei er auch die Turbellarien berücksichtigte. Von ihm wurden damals folgende Arten festgestellt: 1. Stenostomum leucops (Duges) 2. Microstomum lineare (O. F. Müller) 3. Gieysztoria expedita (Hofsten) 4. Castrella truncata (Abildgaard) 5. Rhyndwmesostoma rostratum (O. F. Müller) 6. Mesostoma lingua (Abildgaard) 7.Bothromesostoma personatum (O. Schmidt) 8. Polycelis nigra (O. F. Müller) Zählt man zu diesen 8 Arten noch die Triklade von Codreanu dazu, so kommen wir auf insgesamt 9 Arten. Das ist für den nach der Wolga zweitgrößten Strom Europas herzlich wenig. Es war ein außerordentlich glücklicher Gedanke, vor wenigen Jahren zur Bildung einer internationalen Arbeitsgemeinschaft zur Erforschung der Donau zu schreiten (Näheres darüber bei Liepolt 1959, 1961). Innerhalb der österreichischen Gruppe dieser nunmehr der SIL angeschlossenen Vereinigung konnte ich die Turbellarien-Fauna der Donau samt ihren Neben- und Altwässern untersuchen. Daß derartige Untersuchungen bei der Länge dieses Stromes und bei der Vielfalt seiner biotopmäßigen Gliederung längere Zeit beanspruchen, braucht nicht näher betont zu werden. Innerhalb der österreichischen Donau-Strecke war die Bundesanstalt für Wasserbiologie und Abwasserforschung in Wien-Kaisermühlen stets meine Arbeitsbasis. Durch diese Arbeitsbasis ergibt es sich von selbst, daß zunächst die rund 350 km österreichische Donau-Strecke bevorzugt untersucht wurden, im besonderen die Donau-Altwässer im Gebiet von Wien und Umgebung. Außerdem umfassen meine Untersuchungen stichprobenartige Aufsammlungen gelegentlich der wissenschaftlichen Donau-Bereisung der "Arbeitsgemeinschaft Donau-Forschung" im Herbst 1960 von Wien bis an das Schwarze Meer sowie stichprobenartige Untersuchungen während der im Herbst 1961 durchgeführten Donau-Bereisung von Wien bis zu den Quellen. Die hier gebrachten Untersuchungsergebnisse sind erst ein Anfang. Bei der Größe des Stromes und bei der paläogeographisch sehr unterschiedlichen Vergangenheit mancher von der Donau durchflossenen Gebiete ist noch mit einer Reihe weiterer Formen zu rechnen, wobei im Unterlauf der Donau phylogenetisch und tiergeographisch interessante Funde zu erwarten sind.

Keywords

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