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Studien über die Ichthyofauna des tschechoslowakischen Donau-Abschnittes.

Balon, Eugeniusz K.; Havlena, František

Kurzfassung

Als wir im Jahre 1954 eine ichthyologische Arbeitsstätte in Bratislava einrichteten, deren hauptsächliches Arbeitsprogramm auf die Donau ausgerichtet ist, wurde dieser Entschluß vor allem im Hinblick auf die kulturelle und wirtschaftliche Bedeutung derartiger Studien gefaßt. Die Donau ist der an Fischarten reichste Fluß Europas. Obwohl über die Donaufische zahlreiche Autoren (Brown, Hochberg, Marsili und viele andere, gemäß Siebold 1863), beginnend schon im 17. und 18. Jahrhundert, schrieben, wurden dem tschechoslowakischen (richtiger tschechoslowakisch-ungarischen) Donauabschnitt nur sehr wenige Arbeiten gewidmet. Es sind dies nach den bisher festgestellten und zugänglichen Quellen nur die Arbeiten von Kornhuber (1863), Koelbel (1874), Steindachner (1899) und Ortvay (1902) über Fische in der Umgebung von Bratislava. Mahens (1926, 1930, 1932) taxonomische Beiträge, die Arbeit von Babor (1941) über Rüsselstöre und einige populäre Artikel. Deshalb wurde auch die Übersicht von Hykes (1921, 1922) hauptsächlich aus Arbeiten österreichischer und ungarischer Forscher zusammengestellt, welche allerdings nur hie und da am Rande die Fische des tschechoslowakischen Donauabschnittes erwähnen. Dieser Zustand hielt etwa bis zum Jahre 1950 an, als Brtek und Oliva die ersten faunistischen Studien veröffentlichten. Die Donau mit ihren vielen Armen, Seen und ihrem System von Meliorationskanälen ist das produktivste Fischereigebiet in der Slowakei. Auch wenn die professionelle Fischerei hier eine alteingesessene Tradition aufweist, so sinkt dennoch die Anzahl der Fischer ständig. Es kann auch nicht genügen, diesen Mangel durch eine anwachsende Anzahl von Sportfischeramateuren zu kompensieren, weshalb es eben dazu kommt, daß nur ein Bruchteil der natürlichen Produktion auf einigen exponierten Stellen nutzbar gemacht werden kann, zudem noch in einer beträchtlich unwirtschaftlichen, ja schädlichen Weise (durch Störung des Populationsgleichgewichts infolge Fang von Raubfischen mit der Angel oder durch Netzfang auf Laichplätzen). Nachdem die Slowakei nicht über ausreichende Fischteichflächen verfügt, ist sie auch bei Süßwasser-Konsumfischen auf die Einfuhr angewiesen. Deshalb stellt es eines der Ziele unserer ichthyologischen Forschung dar, durch unablässige Hinweise von Fischreserven die Wirtschaftsgliederungen der Fischerei zur vollen Ausnutzung dieser Reserven zu bewegen und dann im weiteren Verlauf Richtlinien für die effektivste Nutzung und Produktionsregulierung auszuarbeiten. Das dritte und von unserem heutigen Gesichtspunkt aus bedeutsamste Ziel der ichthyologischen Erforschung der Donau ist die Ausarbeitung geeigneter Richtlinien für den Schutz der ursprünglichen Fischgesellschaften des Flusses und seiner hohen Produktion vor den unaufhörlich anwachsenden Einflüssen der Abwässer großer Siedlungen und Industrieunternehmungen, vor kurzsichtigen wasserwirtschaftlichen Regulierungen und Wasserwerkbauten und vor dem negativen Einfluß der Schiffahrtsinteressen.

Keywords

IchthyofaunaDonauMeliorationBratislava