Foreword

Donauforschung

Liepolt, Reinhard

Kurzfassung

Die limnologische Erforschung der Fließgewässer in theoretischer und angewandter Hinsicht hat nach ihrer anfangs etwas stiefmütterlichen Behandlung zur Zeit der klassischen Seenforschung einen mächtigen Impuls, vor allem durch die dringenden Bedürfnisse der Hygiene und Wasserwirtschaft nach dem letzten Kriege, erhalten. Erhöhte Anforderungen an die Reinheit des Wassers, die Benützung der Fließgewässer zur Versorgung der wachsenden Bevölkerung und Industrien mit Trink- und Brauchwasser, die Veränderungen des Flußbettes durch wasserbauliche Maßnahmen, die in das ökologische Gefüge grundlegend eingreifenden hydroelektrischen Anlagen, der steigende Schiffsverkehr und die rasant zunehmende Belastung unserer Gewässer mit allen Abfallprodukten der Zivilisation zwingen die Gewässerforscher, sich intensiv mit den auf sie einstürzenden Problemen auseinanderzusetzen. Es muß daher vor allem der Erforschung wasserwirtschaftlich bedeutsamer Fließgewässer ein erhöhtes Augenmerk gewidmet werden, wovon jene besonderes limnologisches Interesse besitzen, die die Möglichkeit vergleichender Studien in vielen Aspekten bieten. Unter diesen Gewässern steht an hervorragender Stelle der Donaustrom von seiner Quelle im Schwarzwald bis zu seiner Mündung in das Schwarze Meer. Der 2850 km lange Lauf ist einerseits als einziger und größter Strom Mitteleuropas in vielen hundert Kilometern fast völlig naturbelassen, weist aber andererseits besonders in seinem Oberlauf markante Eingriffe durch Wasserbau und Wirtschaft auf, die streckenweise das Flußregime in ökologischer und biocoenotischer Hinsicht sehr verändern. Hierzu kommt die Mannigfaltigkeit der Landschaften, der geologischen Formationen und Klimagebiete des Donaubeckens, das gespeist wird von Abflüssen der Gletscher, des Mittelgebirges und der Tiefebene. Diese vielfältigen natürlichen Verhältnisse und die immer mehr zunehmenden zivilisatorischen Einflüsse auf die Umwelt des Stromes und seine Lebewesen lassen es daher besonders nützlich und interessant erscheinen, biogeographische, ökologische und biocoenotische Forschungen zu betreiben.

Keywords

Trink- und BrauchwasserlimnologischFließgewässerWasserwirtschaftbiocoenotisch