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Die Meeresrelikte vom Eisernen Tor und ihre Bedeutung

Orghidan, Traian

Kurzfassung

In ihrem über 2800 km langen Lauf durchfließt die Donau mehrere Becken, welche sich zwischen die Ausläufer der Alpen und Karpaten einschalten. Der Strom mußte diese trennenden, emporgehobenen Gebirge durchbrechen, um sich den Abfluß von einem Becken zum andern zu sichern. So entstand eine Reihe von Engen, unter welchen wegen ihrer Größe und Lage die bedeutendste das Eiserne Tor ist. Dieses ist Europas größtes Durchbruchstal. Das Eiserne Tor besteht aus vier Erweiterungen, welche zur Zeit des Hochwassers den Anschein von Seen geben und welche durch ebenso viele, zwischen hohen, felsigen Ufern eingeengte Kanäle miteinander verbunden sind. In dem sogenannten "Cazane" -Kessel, welcher in Kalk eingeschnitten ist, reduziert sich die Breite des Stromes auf nur 153 m. Hier und auch an einigen anderen Stellen, wo der Talboden unter das Niveau des Schwarzen Meeres gesunken ist, beträgt die Tiefe des Wassers über 50 m. Auf einer Länge von 130 km, zwischen Bazias und Turnu-Severin - Punkte des Ein- und des Austritts der Donau aus ihrer Enge - fällt das Niveau des Stromes von 64 m auf 34 m. Diese Niveaudifferenz verteilt sich auf die Stromschnellen, welche am oberen Rande eines jeden Beckens lokalisiert sind. Die mächtigsten Stromschnellen befinden sich unterhalb Orsova, zwischen den Dörfern Sip und Gura Văii, wo die Karpaten den letzten felsigen Staudamm gegen den Strom bilden. Hier ist das eigentliche "Eiserne Tor", welcher Name heute für die ganze Enge angewandt wird. Hier wurde vor kurzem der Grundstein zu einem der größten Wasserkraftwerke der Welt gelegt. Über das Eiserne Tor liegt umfangreiche geographische Literatur vor. Unter den ersten Werken, die der Klärung dieses verwickelten Landschaftsproblems gewidmet wurden, verdient vor allem die kleine, aber inhaltsreiche Arbeit, welche von Prof. Albrecht Penck im Jahre 1891 in Wien veröffentlicht wurde, erwähnt zu werden. Über das Alter und die Entstehung des Donautales im allgemeinen schreibt dieser Verfasser folgendes: "Indem die Donau die Gebirge durchbricht, welche sich zwischen Alpen und Karpaten, zwischen diese und den Balkan einschalten, deutet sie an, daß ihr Lauf eine uralte Entwässerungsfurche ist, welche die Erhebung jener Gebirge und die Einsenkung des Landes in den dazwischen befindlichen Ebenen überstand. Im großen und ganzen folgt der Lauf der Donau einer Reihe von Meeresstraßen und Binnenmeeren, welche sich in der jüngeren Tertiärperiode quer durch Südosteuropa erstreckten. Seine Anlage geht daher auf jene Zeiten zurück: als die Meere sich zurückzogen, folgte ihnen die Donau. Der Strom ist daher von sehr hohem Alter. Davon zeugt auch seine Fauna. Die Fische, welche sich in ihm tummeln, haben ihre Verwandten im Kaspischen Meer, und sie nahmen von seinen Gewässern Besitz, als das Schwarze Meer noch nicht mit dem Mittelmeere verbunden war und einen zweiten Kaspisee darstellte."

Keywords

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