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Torfabbau und Moorrenaturierung in Norddeutschland und in den Niederlanden

Hofer, Bernd; Schouwenaars, Jos

Akademie für Geowissenschaften und Geotechnologien, Veröffentlichungen Heft 26 (2008), p. 109 - 118

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published: Dec 2, 2008

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Kurzfassung

Der Beitrag gibt einen Überblick über die Entwicklung der Folgelandschaften des Torfabbaus. Sich ändernde gesellschaftliche Wertvorstellungen undAnsprüche haben sich deutlich in der Herrichtung großer Torfabbaugebiete niedergeschlagen. Auch aktuell nehmen die spannenden Themen “Klimaschutz“, “nachwachsende Rohstoffe“ und “steigende Nahrungsmittelpreise“ starken Einfluss auf Diskussion und Planung von Folgenutzungen. Nachdem in Norddeutschland bis Ende des 20ten Jahrhunderts die Erschließung neuer landwirtschaftlicher Flächen im Vordergrund stand, hat sich seither die Wiedervernässung der Moore und somit eine Moorrenaturierung als Konsens zwischen Naturschutz und Torfindustrie etabliert und ist auf rund 12. 000 ha bereits umgesetzt. In Deutschland führt aktuell die sich rasch entwickelnde Nachfrage nach regenerativer Energie und Biomasse in Form von größerem Bedarf an landwirtschaftlicher Produktionsfläche zu einem erhöhten Flächendruck. Dies betrifft primär landwirtschaftliche Intensiv- (Mineral-) Standorte; indirekt wirkt sich der Druck aber auch auf Grenzertragsstandorte wie kultivierte Hochmoorgebiete aus. Hier wird die Nutzung intensiviert (Ackernutzung auf obligaten Grünlandstandorten). Die Landwirtschaft formuliert aber auch die Forderung, abgebaute Flächen nicht in die Wiedervernässung zu geben, sondern für eine dauerhafte landwirtschaftliche Nutzung umzubrechen und herzurichten. Unter hydrologisch ungünstigen Umständen werden alternative Nutzungen wie Kurzumtriebsplantagen oder andere Biomasse-Produktionen (z. B. Schilf) diskutiert. Eine aus Sicht des Moor- und Klimaschutzes interessante Entwicklung stellt dabei das Peat- oder Sphagnum Farming dar. Über den Anbau von Torfmoosen könnte ein geeigneter Rohstoff zur Substratherstellung für den Gartenbau zur Verfügung gestellt werden. Eine erfolgreiche Entwicklung dieser (Folge-) Nutzung ist jedoch frühestens mittelfristig zu erwarten. Ein länderübergreifender Vergleich der Folgenutzung ehemaliger Abbauflächen zwischen Norddeutschland und den Niederlanden bietet interessante Einblicke. Die Niederlande sind Deutschland in dieser Beziehung “voraus“, da die Moorkultivierung und der Torfabbau aufgrund der hydrologischen Rahmenbedingungen und des hohen Flächendrucks wesentlich früher umgesetzt worden sind. Über Oxydation und Sackung verlieren kultivierte Moorgebiete kontinuierlich an Höhe. Die Probleme, die sich aus Höhenlagen unterhalb des Meeresspiegelniveaus ergeben, sind in einigen Gebieten der Niederlande besonders deutlich und werden auch in Norddeutschland an Bedeutung zunehmen.

Keywords

torftorfabbaufolgelandschaftpeat