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Nassabgrabung am Unteren Niederrhein - Rekultivierung und ökologische Funktionen am Beispiel der Abgrabung Reeserward

Werneke, Ulrich

Akademie für Geowissenschaften und Geotechnologien, Veröffentlichungen Heft 26 (2008), p. 93 - 100

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published: Dec 2, 2008

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Kurzfassung

Nassabgrabungen am Unteren Niederrhein lassen sich grob in zwei Kategorien unterteilen: Abgrabungen bzw. Baggerseen mit Verbindung zum Rhein oder seinen Nebengewässern sind nährstoffreich und haben eine meist geringe Sichttiefe. Unterwasser-Vegetation ist in der Regel kaum vorhanden. Die Fischfauna ist aber je nachAnbindung zum Rhein arten- und individuenreich, weil die Baggerseen als Nebengewässer wichtige Laich-, Jungfisch - und Refugialhabitate darstellen können. Baggerseen ohne Verbindung zu Fließgewässern und mit einem überwiegend vom Grundwasser geprägten Wasserhaushalt sind zumindest in den ersten Jahren ihres Bestehens nährstoffarm, wenn sie nicht durch punktuelle oder diffuse Quellen sehr schnell eutrophieren. Es können sich seltene und gefährdete Wasserpflanzengesellschaften einstellen. Die Fischfauna ist allerdings in der Regel artenarm, vom Flussbarsch dominiert und durch Besatz verändert. Diese grobe Typisierung kann allerdings eine auf den Einzelfall bezogene und genaue Untersuchung nicht ersetzen, da je nach Struktur, Wasserhaushalt und Nutzung auch benachbarte Seen sehr unterschiedlich sein können und individuell zu betrachten sind. Die Ufer der Seen beider Typen und die umgebenden Landbereiche können je nach Gestaltung ebenfalls wichtige Ersatzlebensräume derAue darstellen. Dies bezieht sich v. a. auf Arten natürlicher, aber selten gewordener Habitate der Flussufer und Sandbänke, oder erosionsbedingter Steilkanten (vgl. VerBücheln et al. 1999). Beispiele hierfür sind Uferschwalbe, Flussseeschwalbe, Flussregenpfeifer oder zahlreiche Insektenarten, z. B. unter den Laufkäfern und Wildbienen. Diese sandigkiesigen Lebensräume sind allerdings bei früheren Rekultivierungen oft wenig beachtet, sondern mit Oberboden überdeckt und mit dichten Gehölzpflanzungen versehen worden. Sie sind ohne entsprechende Pflege durch Beweidung und ggf. weitere Maßnahmen zum Offenhalten der Flächen nicht dauerhaft zu erhalten, da sie einer schnellen Sukzession unterliegen. Heutige Rekultivierungskonzepte sollten daher neben ausreichend großen Bereichen mit sandig-kiesigen Ersatzlebensräumen auch Maßnahmen zu deren dynamischer Erhaltung festschreiben. Grenzen werden hierbei gesetzt durch die politische und landwirtschaftliche Forderung nach möglichst geringem Flächenverbrauch sowie durch das wirtschaftliche Bestreben nach effizienter Nutzung der Ressourcen innerhalb genehmigter Flächen. Dadurch werden die Bereiche, in denen Sand- und Kiesflächen erhalten bleiben bzw. gestaltet werden können, oft auf ein Minimum beschränkt und eine naturschutzfachlich optimale Herrichtung stark erschwert.

Keywords

nassabgrabungniederrheinbaggerseevegetationfischfauna