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Natur und Landschaft

Quade, Horst

Akademie für Geowissenschaften und Geotechnologien, Veröffentlichungen Heft 26 (2008), p. 5 - 10

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published: Dec 2, 2008

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Kurzfassung

Im System der irdischen Natur gibt es keinen Lebensraum, der den wesensgemäßen Bedürfnissen des Menschen gerecht wird. Um sich gegen die klimatischen Widrigkeiten und die Nahrungskonkurrenz anderer Lebewesen zu behaupten, musste er die natürlichen Gegebenheiten seinen Bedürfnissen anpassen und zu einem für ihn günstiges Umfeld verwandeln. Während anderen Lebewesen Kavernen, Nester, Wälder, Flüsse und Meere ausreichend Schutz boten, mussten die Menschen ihre Höhlen verlassen und sich Hütten erbauen, wenig später Häuser, ganze Ansiedlungen von Häusern und schließlich Städte, in denen die Gebäude immer höher wurden. So entstanden Landschaften mit Siedlungen, Transportwegen und Flächen zum Anbau ihn ernährender Vegetation und zur Zucht von Nutztieren. Bei seinem Bemühen ums Überleben hat der Mensch sich inzwischen nahezu alle Gebiete der Erde erschlossen, und war dabei so erfolgreich wie sonst nur die Stubenfliege und die Ratte. Sein zur Abstraktion fähiges Denk- und Lernvermögen und die Begabung, aus der Erfahrung vorangegangener Generationen zu lernen, helfen ihm, Zusammenhänge zu erkennen und daraus Schlussfolgerungen zu ziehen, die er mithilfe seiner kreativen Intelligenz in Technologie umzusetzen versteht, seine wirkungsvollste Waffe beim Kampf ums Überleben. Mit der wachsenden Konzentration der Bevölkerung auf immer kleineren Räumen sind die Anforderungen, die an den Homo habilis gestellt werden, stetig gewachsen. Zivilisationen entstanden, wo Wasser zugänglich war. Selbst in scheinbar lebensfeindlichen Wüstengebieten entwickelten sich Landschaften mit Hochkulturen, wo Wasser aus den Flüssen über Kanäle herangeführt oder tiefe Brunnen gegraben wurden und verzweigte Bewässerungssysteme für die Verteilung von Wasser über große Flächen sorgten. Allerdings stellte sich dadurch ein sehr sensibles Ungleichgewicht mit der umgebenden Natur ein. Wenn die kulturtechnische Wartung solcher Systeme gestört wurde, etwa durch langjährige kriegerische Auseinandersetzungen, gingen selbst mächtige Großreiche unter, weil durchziehende Heere „verbrannte Erde“ hinterließen. Welche „modern“ anmutenden Probleme das mit sich brachte, zeigt die frühe Geschichte der Stadt Rom, die als Hauptstadt des römischen Weltreiches, das sich tief nach Asien und über den gesamten europäischen Kontinent bis hin zu den Britischen Inseln erstreckte, bereits im ersten Jahrhundert nach Christi Geburt eine multikulturelle Weltstadt mit mehr als 1 Million Einwohnern war – ein Ballungszentrum mit engen und lärmenden, stinkenden Straßen und mit schwersten Problemen der Umweltbelastung, Hygiene und Lebensmittelversorgung. Gigantische Ingenieurbauten trieben die Grenzen der Stadt immer weiter in das Umland vor.

Keywords

konfliktnutzungnaturschutzrohstoffe