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Zementrohstoffgewinnung und Nachfolgelandschaft in der hannoverschen Oberkreide

Reupke, Bernd-Henning

Akademie für Geowissenschaften und Geotechnologien, Veröffentlichungen Heft 26 (2008), p. 77 - 87

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published: Dec 2, 2008

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ArtNo. ESP183012600009, Price: 8.80 €

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Kurzfassung

In Deutschland produzieren rund 35 Unternehmen in 49 Werken ca. 25 Mio. Tonnen Zement pro Jahr. Die Herstellung von Zement ist sehr kostenintensiv. Neben einem hohen Kostenanteil für die erforderliche Energie und das Personal, müssen große Investitionen in die Anlagen zur Zementherstellung getätigt werden. Betriebszeiten von mehr als 30 Jahren für einzelneAnlagen, wie beispielsweise den Drehrohrofen, sind die Regel. Hohen Kostenanteilen für Energie, Personal und Investitionen stehen verhältnismäßig geringe Produktpreise und ein hohes spezifisches Gewicht des Zementes gegenüber. Aufgrund dieser Konstellation sind alle Zementwerke in Deutschland sowohl an ein Marktgebiet, wie auch an eine Rohmateriallagerstätte gebunden. Im Fall des Zementwerkes Höver ist besonders vorteilhaft, im wirtschaftlichen Zentrum des Niedersachsens zwischen Hannover und Braunschweig angesiedelt zu sein und darüber hinaus über eine zur Zementherstellung hervorragend geeignete Lagerstätte zu verfügen. Die kreidezeitliche Kalkmergellagerstätte befindet sich südlich des Zementwerkes Höver und erstreckt sich über Teile der Gemarkungen Höver und Bilm. 1908 wurde in unmittelbarer Werksnähe mit dem Abbau begonnen. Nach einem Werksneubau im Jahr 1973 wurde ein neuer Lagerstättenteil erschlossen. Genehmigungsrechtlich wurde nahezu zeitgleich ein Raumordnungsverfahren durchgeführt. 1979 erfolgte die Genehmigung eines 144 Hektar großen Abbaugebietes nach dem „Gesetz zum Schutz der Landschaft beim Abbau von Steinen und Erden (Bodenabbaugesetz vom 15. 03. 1972)“. Die Vorräte dieser genehmigten Abbaufläche reichen bei einem derzeitigen Gesteinsabbau von rund 1,5 Mio Tonnen bis zum Jahr 2023. Aufgrund langfristiger Investitionsplanungen wurde 1991 beschlossen, die Abbaufläche zu einer Größe, die bis das Jahr 2050 reicht genehmigen zu lassen. Dazu wurde 1994 zunächst mit Untersuchungen im Rahmen eines Raumordnungsverfahrens begonnen. 1998 erfolgte die Landesplanerische Feststellung des Erweiterungsprojektes. Unmittelbar nach dem Abschluss dieses Verfahrensschrittes wurde mit Detailuntersuchungen zur wasserrechtlichen Planfeststellung der Steinbrucherweiterung und der Folgenutzung des Abbaugebietes als See begonnen. Bis Ende 2008 wird mit einem Abschluss des Verfahrens gerechnet. Im Verlauf des Verfahrens wurde 2004 ein „Runder Tisch“ veranstaltet, zu dem alle Bürger aus Bilm und Höver eingeladen worden sind. Ziel dieser von Holcim initiierten Bürgerbeteiligung war es, ein Folgenutzungskonzept für das gesamte Abbaugebiet zu erstellen. Holcim hat sich auf freiwilliger Basis zur Umsetzung von Maßnahmen aus dem Folgenutzungskonzept verpflichtet, von denen erste Maßnahmen zwischenzeitlich umgesetzt worden sind. Dieser Beitrag beschreibt neben der Zementrohstoffgewinnung insbesondere die überaus positiven Ergebnisse der Bürgerbeteiligung bei der Entwicklung einer Planung für die Nachfolgelandschaft im Bereich des Steinbruchs Höver/Bilm.

Keywords

zementherstellunginvestitionhöverbilmlandschaftsschutzgermany