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Hartsteingewinnung und Erlebniswelt im Weserbergland

Wärmer, Josef

Kurzfassung

Vor rund 150 Millionen Jahren, in der Jura-Zeit, hat das heutige Niedersachsen fast vollständig unter dem Meeresspiegel gelegen. Das Meer dehnte sich im Germanischen Becken aus, dem Vorläufer der jetzigen Nordsee. Während der frühen Jurazeit (Lias und Dogger) wurden zunächst dunkle Tone und Sande abgelagert. Zu Beginn des Malms zog sich das Meer allmählich aus dem heutigen Norddeutschland und der Nordsee zurück. Die Küstenlinie verlief nun etwa in Höhe des Harznordrandes und jenseits der Hilsbucht weiter nach Westen. Im Flachwasser wurden weiße und graue Kalke abgelagert, bei Wassertemperaturen von über 20° C, die noch Korallenwachstum zulassen. In dieser Zeit bildete sich der Korallenoolith, der seinen Namen nach Korallenresten hat, die in eine Grundmasse von Kalkkügelchen eingelagert sind. Danach wurden vor allem in der Kreidezeit durch tektonische Bewegungen im Bereich des heutigen Niedersächsischen Berg- und Hügellandes die abgelagerten Schichten in mehreren Phasen deformiert. Dabei zerbrachen die Gesteine, wurden schräg gestellt und verbleiben in Form vieler einzelner Schollen. Der rund 50 Meter mächtige Korallenoolith besteht meist aus massigen oolithischen Kalkbänken und bildet wegen seiner Härte z. B. die Schichtkämme des Wesergebirges oder die Schichtstufen im Süntel. In den dortigen Steinbrüchen werden diese Kalke abgebaut. Sie liefern Roh- und Baustoffe vor allem für den Wohnungs-, Straßen-, Wasserund Gleisbau sowie für viele industrielle und chemische Prozesse. Mit dem Aufschluss der Lagerstätten entstand somit die Basis für die heutigen Steinbruchunternehmen und touristische Nutzungen.

Keywords

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