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Die Besiedlung innerstädtischer Grünflächen Greifswalds durch Kurzflügeldecken-Käfer (Coleoptera: Staphylinidae)

Hennicke, Sonja; Müller-Motzfelo, Gerd

Entomologia Generalis Volume 23 Number 1-2 (1998), p. 107 - 127

17 references

published: Nov 4, 1998

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ArtNo. ESP146002301008, Price: 23.10 €

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Kurzfassung

Im Jahr 1993 wurden die semiterrestrisch lebenden Staphyliniden von 18 verschiedenen Grünflächen in Greifswald während einer Vegetationsperiode erfaßt und sowohl qualitativ als auch quantitativ ausgewertet. Die mit Hilfe von Bodenfallen erfaßten 10366 Individuen gehörten 161 Arten an. Die Grünflächen wurden in 3 Typen unterteilt: Schurrasen (> 4 x Mahd im Jahr), Wiesen (bis 4x Mahd im Jahr) und Weiden. Nach der Ermittlung der Aktivitäts-Artenzahlen, der Aktivitäts-Abundanzen, den Dominanzverhältnissen, einer Analyse der faunistischen Ähnlichkeit nach Wainstein, der Anteile verschiedener Größenklassen sowie der Bestimmung der Feuchteansprüche der Arten konnten nur bei den Schurrasenzönosen Unterschiede in der Faunenzusammensetzung zu den anderen Grünlandtypen festgestellt werden. Die Staphyliniden der Schurrasen sind durchschnittlich kleiner, haben eine geringere Artenzahl und einen höheren Anteil an xerophilen Arten. Die Faunenzusammensetzung der Wiesen und Weiden zeigte keine signifikanten Unterschiede. Erst nach einer Untersuchung zur Indigenität der Fauna wurden Unterschiede zwischen Grünländern geringer und mittlerer Nutzung sichtbar. Grünländer geringer Nutzung weisen wesentlich höhere Arten- und Individuenzahlen bei den immaturen Tieren auf und spielen eine wichtige Rolle als Quellstrukturen für die städtische Staphylinidenfauna. Weiterhin wurde versucht, die Arten hinsichtlich ihrer Habitatpräferenz zu typisieren. Die Staphylinidenarten waren größtenteils ubiquitär und traten auf allen untersuchten Flächen auf. Ein Großteil der verbliebenen Arten war ebenfalls recht eurytop, zeigte sich aber empfindlich gegenüber Störungen durch häufige Mahd. Arten mit Präferenz für Wiesen oder Weiden wurden nicht gefunden. Die Arten Zyras humeralis und Plataraea brunnea wiesen als einzige Arten eine eventuelle Präferenz für Schurrasen auf, waren aber als Differentialarten nicht zu verwenden. Um Staphyliniden als Bioindikatoren für städtische Grünflächen nutzen zu können, ist noch eine Erweiterung des Wissens zur Autökologie der Arten nötig.

Abstract

In 1993 staphylinids of 18 urban habitats in Greifswald were identified and analysed. The beetles were caught by pitfall traps operated from April until October. 10366 individuals from 161 species were found. The habitats subdivide into 3 types: green areas (high frequency of cutting, more than 4 times per year), meadows (less than 4 cuttings per year) and pasture. The relationships between number of species, activity abundance, dominance structure, identity of the inventory of species, parts of different size classes, demands of moisture and the different types of habitat were analysed. Only the staphylinid fauna of green areas is distinctive. The staphylinids of green areas are on average smaller, have a lower number of species and a higher number of xerophil species than meadows and pastures. The staphylinid faunas of meadows and pastures show no significant differences. After analysing the indigenous species, differences between greens with little or no use and greens with medium use were noted. Greens with little or no use are important for reproduction of urban staphylinid beetles. Furthermore, staphylinid beetles were studied for preference for each of the habitat types. Most species were ubiquitous, with Zyras humeralis and Plataraea brunnea being the only species that had a preference for green areas. The occurence of these two species in a large spectrum of habitats does not allow their use as differential species, however. Species with preference of meadows or pasture were not found. In general, it is necessary to increase our knowledge about the ecology of individual species before staphylinids can be used as bioindicators for urban habitats.

Keywords

staphylinidsurban ecologygreen areas