Original paper

Taphocoenoses of Arthropods on Saltpan Floodplains of the Oshana Region / Namibia (Arthropoda: Solifugae, Scorpiones, Chilopoda, Diplopoda, Insecta)

[Totengemeinschaften von Gliederfüßern im Überschwemmungsbereich von Salzpfannen im Ovamboland / Namibien (Arthropoda: Solifugae, Scorpiones, Chilopoda, Diplopoda, Insecta)]

Steffan, August Wilhelm

Entomologia Generalis Volume 23 Number 4 (1999), p. 281 - 304

13 references

published: Mar 1, 1999

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ArtNo. ESP146002304007, Price: 26.40 €

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Abstract

A taphocoenosis was found (Steffan 1991) in the saltcrust of the floodplain of a saltpan (Okandeka Pan) north of the Etosha Pan. From the resulting collection, 3 species of Solifugae (3 individuals), 3 spp of Scorpiones (10 ind), 1 sp of Chilopoda (6 ind), 1 sp of Diplopoda (2 ind), and 85 spp of Insecta (580 ind) were identified (A Mursch). All of them were of non-aquatic origin, i. e: allochthonous. The possible ways of active or passive introduction onto the floodplain are discussed for the various groups as well as the probable manner of their selection from the neighbouring biocoenosis. The overrepresentation of reproductives of eusocial insect species (Isoptera: Termitidae, Hodotermitidae; Hymenoptera: Formicidae: Dorylinae) which are on the wing during distinct seasons only, suggests that their embedding in the saltcrust happened soon after this seasonal event. Most of the other subfossilized arthropods might have invaded the floodplain at the same time, either actively or unvoluntarily by air, or they have been washed by rainfloods from the surrounding shoulders of the saltpan onto the floodplain, dead or still alive. There are two embedding zones, an outer one where mainly larger arthropods (Arachnida, Myriapoda, Coleoptera) with strong and heavy exoskeletons are to be found in spots, and an inner embedding zone, where small insects, insect and plant particles are assembled in larger layers. Most of the large and middle-size insects were embedded in the 0,3-1,0 cm thick saltcrust, with their bodies in parallel, and almost parallel to the northern shore-line. This means, that before conservation in the salt-crust they must have floated at the surface of shallow water, must have been drifted by wind and waves towards the northern shore, and with this movement must have been sorted out as by size and weight. With the gradual water decline, they were left on the muddy ground earlier or later, and with further drying and crystallising of the surface layer, became tightly embedded into the salt-crust. A consideration of the actual initial phases of fossilisation reported here, i. e: the manner of selection of species and specimens from the nearby biocoenotic resource, as well as of their various ways of active invasion or passive transportation into the taphotope, and their being sorted out by water movements, might contribute to the understanding of fossilisation processes in terrestrial habitats of the past. To evaluate possible similarities, this actuo-taphocoenosis was partly compared with palaeo-taphocoenoses primarily described from Tertiary times.

Kurzfassung

Nördlich der Etoschapfanne wurde im Überschwemmungsbereich einer Salzpfanne (Okandeka-Pfanne) eine aus Gliederfüßern bestehende Taphozonose entdeckt (Steffan 1991). Die Bestimmung (A Mursch) des entnommenen Materials ergab den Nachweis von Solifugae (3 Arten, 3 Individuen), Scorpiones (3 Art, 10 Ind), Chilopoda (1 Art, 6 Ind), Diplopoda (1 Art, 2 Ind) und Insecta (85 Art, 580 Ind). Alle gefundenen Tierreste sind nicht-äquatischer Herkunft, also allochthon. Die Imagines der wenigen larval-äquatischen Arten sind übereinstimmend zu bewerten. Die möglichen Wege des aktiven oder passiven Erreichens der Überschwemmungsfläche durch die einzelnen Gruppen werden erörtert und ebenso die wahrscheinliche Auswahl der in der benachbarten Biozönose angebotenen Arten und Individuen. Das individuenmäßige Überwiegen eusozialer Kerbtier-Arten (Isoptera: Termitidae, Hodotermitidae; Hymenoptera: Formicidae: Dorylinae) in Form von Geschlechtstieren, die eine jahreszeitlich beschränkte Flugzeit besitzen, läßt vermuten, daß ihre Einbettung in die Salzkruste zeitlich mit diesem Ereignis zusammenhängt. Die meisten anderen als Subfossilien erhaltenen Gliederfüßer mögen die Überschwemmungszone zu derselben Zeit erreicht haben, und zwar lebend auf dem Luftweg, entweder aktiv oder unfreiwillig passiv. Oder sie wurden durch zu dieser Zeit erfolgende Regenfluten von den Hangschultern der Salzpfanne gewaschen und in den Überschwemmungsbereich gedriftet, entweder als bereits gestorbene Tiere oder auch als lebende, die sich nicht rechtzeitig vor den plötzlich und rasch auf der trockenen Erdoberfläche abströmenden Fluten retten konnten. Es können zwei Einbettungszonen unterschieden werden, eine äußere, wo vorzugsweise größere, schwerere und stark gepanzerte Gliedertiere (Arachnida, Myriapoda, Coleoptera) in wenigen Exemplaren in kleineren Bereichen eingebettet liegen, und eine innere, wo kleine Kerbtiere in größerer Anzahl sowie kleine Pflanzen- und Kerbtier-Teile auf weit größeren Flächen gemeinsam eingebettet sind. Die meisten der großen und mittelgroßen Kerbtiere finden sich in die 0,3-1,0 cm dicke Salzkruste mit ihren Körpern parallel zueinander eingebettet und dabei annähernd parallel zur nördlichen Uferlinie ausgerichtet. Das bedeutet, daß diese Tiere zunächst auf der Oberfläche eines flachen Gewässers umhergetrieben sein müssen, und dann durch Wind und Wellen zur nördlichen Uferlinie hin verdriftet worden sind. Durch diese Wasserbewegungen wurden sie entsprechend Größe und Gewicht sortiert und mit sinkendem Wasserstand früher oder später auf der nassen Schlamm-Oberfläche abgelagert. Mit deren Austrocknung und der Auskristallisation von Salz wurden sie fest in eine den Ton-Schlamm abdeckende Salzkruste eingebettet. Da neben vollständig oder nahezu vollständig erhaltenen Insekten-Panzern auch kleinere und kleinste Kerbtier-Teile gefunden wurden, erscheint es denkbar, daß die nachgewiesene Taphozönose nicht auf ein einmaliges Ereignis zurückzuführen ist. Die kleineren Kerbtier-Reste könnten vielmehr aus einem vorjährigen oder sogar aus bereits mehrere Jahre zuvor erfolgten Einbettungsprozessen stammen. Bei wiederholter Überschwemmung könnten diese "Subfossilien" wieder aus der Salzkruste herausgelöst, durch die Wasserbewegung umtransportiert und zerkleinert worden, und schließlich zusammen mit neu hinzugekommenen Kerbtier-Körpern nochmals eingebettet worden sein. Da sich ein solcher Prozeß alljährlich mit jeder Regenzeit wiederholt haben mag, ist es naheliegend anzunehmen, daß die nachgewiesene Arthropoda-Taphozonose keine dauerhafte ist, sondern lediglich immer wiederkehrend die Anfangsphase eines Fossilisationsprozesses wiederspiegelt. Zur dauerhaften Einbettung müßte ein weiteres Ereignis hinzutreten, nämlich die rasche und endgültige Abdeckung mit fein-partikulärem Material, etwa Salzton (Salzpelit), wie er in dicker Schicht unter der Salzkruste vorliegt.

Keywords

actuopalaeontological processallochthonous originbiocoenotic resourcefloodplainfossilisationsaltcrust-embeddingsaltpelitsubfossilstaphotopeaktuopaläontologische Prozesseallochthone HerkunftFossilisationSalzkrusten-Einbettung