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Das Nördlinger Riesproblem.

Kranz, W.

Kurzfassung

Die Erklärung der Riesbildung, welche Branca und E. Fraas mit der Annahme einer magmatischen Hebung und Senkung großen Maßstabes gaben, darf als allgemein bekannt gelten. Dem entgegen hat 1909 C. Regelmann einen großen Teil der Anzeichen im Vorries, die man gewöhnlich mit den vulkanischen Erscheinungen des Ries selbst in innigsten Zusammenhang bringt, als alpine Deckenschübe und Aufpressungen aufgefaßt. Seine Beweisführung erhielt Erwiderungen von E. Fraas, R. Löffler und mir. E. Suess erklärte dann 1909: "Weitere Vergleiche haben mich gelehrt, daß das Ries durch eine phreatische Explosion. ..... erzeugt worden ist. Sedimentäre und teilweise granitische Schollen sind über die Umfassung hinausgeschoben worden, bezeichnend ist jedoch die Erhaltung der granitischen Basis in der Mitte. Die völlige Zertrümmerung (Vergriesung) des Jurakalks ist dieselbe Erscheinung wie die Zertrümmerung des Appeninenkalkes." Diese kurzen Andeutungen griff ich 1910 auf und fand nach Studium der Spezialliteratur sowie der Natur selbst, daß eine gewaltige Explosion tatsächlich die Riesphänomene besser erklärt als die Hebungstheorie. Abgesehen von der Unwahrscheinlichkeit einer mehrere Kilometer hohen magmatischen Hebung und schnellen Senkung einer riesigen Gesteinsscholle, wie man sie nach dieser Theorie annehmen müßte, sprechen viele Gründe unmittelbar für jene Explosion: Die heutige Gestalt des Rieskessels, die daraus gefolgerte Gestalt eines Rieshorstes kurz vor der obermiozänen Explosion, die tatsächlichen Lagerungsverhältnisse überschobener und durch die Luft geflogener Schollen auf flach geneigtem Sprengtrichterrand des Ries und in seiner weiteren Umgebung auf dem Vorries, der Nachweis des Vorhandenseins von Süßwasser nicht lange vor der Explosion, welche sehr wahrscheinlich durch plötzliche Verdampfung solchen Wassers beim Zusammentreffen mit glühendem Magma des damaligen Erdinnern erfolgte.

Keywords

nördlinger riesgranitsedimentjurakalkobermiozänmagma