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Über die Meßbarkeit der Fortschritte der Verwitterung.

Haberle, Daniel

Jahresberichte und Mitteilungen des Oberrheinischen Geologischen Vereins Band 1 Heft 2 (1911), p. 53 - 54

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published: Jul 1, 1911

DOI: 10.1127/jmogv/1/1911/53

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Kurzfassung

Wie ich in einer in den Verhandlungen des Naturhistorisch-Medizinischen Vereins zu Heidelberg demnächst erscheinenden Arbeit ausführlich und mit einer großen Anzahl von Abbildungen zeigen werde, ist der Buntsandstein des Pfälzerwaldes ähnlich wie der Quadersandstein der Sächsischen Schweiz durch das Auftreten von isolierten Felspartien und Steilwänden sowie durch sonderbare Verwitterungsskulpturen an ihnen ausgezeichnet. Ich möchte aber an dieser Stelle aus den zahlreichen Einzelbeobachtungen, die dort ausführlich dargestellt werden, einige wenige besonders hervorheben, die zeigen, wie es in solchen Gebieten gelingen kann, die Fortschritte der Verwitterung zahlenmäßig festzustellen. Die Oberflächenformen der Felsgebilde finden in den beiden verglichenen Gebieten ihre Erklärung vor allen Dingen in starker Klüftung. Dabei stellen sich trotz der Verschiedenheit des Materials überraschende Ähnlichkeiten heraus. Es ist daher wohl anzunehmen, daß der Entstehung der Verwitterungserscheinungen und Felsformen in diesen räumlich ziemlich entfernten Gegenden die gleichen Ursachen zugrunde liegen mögen. Während früher längere Zeit die Anschauung verbreitet war, daß der Wind und die extremen Temperaturverhältnisse der Diluvialzeit bei der Herausbildung und Rückwitterung der Steilwände eine bedeutende Rolle gespielt haben könnten, ist man neuerdings auf Grund der Untersuchungen von Hettner über die Felsbildungen der Sächsischen Schweiz geneigt, mehr die in der Gegenwart wirkenden Kräfte zur Erklärung heranzuziehen. Dabei wird insbesondere der Durchlässigkeit des Sandsteins, welcher durch die ausgedehnte Klüftung noch gesteigert wird, eine große Bedeutung beigemessen. Es ist ja klar, daß die auf durchlässigen Sandstein fallenden Niederschläge, soweit sie von diesem aufgenommen werden und dann nicht an den Wänden wieder ausschwitzen, als Sickerwasser in die Tiefe sinken müssen, bis sie schließlich auf eine wasserundurchlässige Schicht stoßen. Auf dieser wird sich das Sickerwasser zunächst stauen und dann einen Weg nach außen suchen. An solchen Austrittsstellen setzt dann die Verwitterung besonders kräftig ein, untergräbt die Wände, schafft Überhänge und bringt schließlich den Fels zum Absturz. Dadurch wird dann eine neue Kluftfläche freigelegt, an welcher die Verwitterung und Zerstörung von neuem ihre Tätigkeit beginnen kann.

Keywords

verwitterungbuntsandsteinpfälzerwaldsächsische schweiz