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Grundsätzliche Bemerkungen zur Ausdeutung eiszeitlicher Erscheinungen

Weidenbach, F.

Kurzfassung

Im Laufe der letzten Jahre wurden im Gebiete des nördlichen Alpenvorlandes verschiedentlich Versuche unternommen, die glazialen Ablagerungen neu zu gliedern. Anlaß hiezu gab meist der Umstand, daß bei Kartierungsarbeiten Schwierigkeiten mit der Eingliederung der einzelnen eiszeitlichen Ablagerungen in das Penck-Brückner'sche Vier-Eiszeiten-Schema auftraten. Es erwies sich nämlich überall, daß. die vier Eiszeiten Günz, Mindel, Riß und Würm nicht ausreichten, um allen Erscheinungen im nördlichen Alpenvorland gerecht zu werden. So versuchte nun jeder Forscher für sich, das Penck'sche Schema in der Weise zu erweitern, daß er alle die in seinem Gebiete auftretenden Schichtglieder - Moränen und Schotter - unterbringen konnte. Das einzige Gemeinsame all dieser Versuche besteht darin, daß die Penck'sche Nomenklatur beibehalten wurde. Im übrigen aber gehen die Meinungen der einzelnen Forscher ganz beträchtlich auseinander; so sehr, daß nicht abzusehen ist, wie die verschiedenen Auffassungen unter einen Hut zu bringen sind. Das schlimmste dabei ist aber nicht, daß die Zahl der Eiszeiten bei den einzelnen Forschern nicht dieselbe ist, sondern daß die Penck'sche Nomenklatur vermutlich für jedes Gebiet wieder anders benützt wird. Mit anderen Worten bedeutet das, daß z. B. gleichaltrige Schotter im einen Gebiet als "Riß" bezeichnet werden, im andern als "Mindel". Solange ein Gebiet nur von ein und demselben Forscher behandelt wird, ergeben sich meist - auch bei der Kartierung - keine Schwierigkeiten, sobald man aber dazu übergeht, ver. gleichende stratigraphische Betrachtungen über weite Gebiete hinweg anzustellen, merkt man die Verwirrung, die durch verschiedenartige Anwendung der Penck'schen Namen entsteht.

Keywords

glacial depositspre alps