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Die diluviale Ausgestaltung des alpinen Oberrheintales

Krasser, Leo M.

Kurzfassung

Nachdem durch die Arbeiten von Schmidle (1922), Meesmann (1925/26), Arn. Heim (1928), Muheim (1934) und Renz (1937/38) die tektonische Entstehung des alpinen Oberrheintales als erwiesen gelten kann, dürfte es im Hinblick auf die früheren Streitfragen über den Anteil der Glazialerosion an der Bildung des Rheintales angebracht sein, sich über Umfang und zeitliche Einordnung des diluvialen Formenschatzes ein nunmehr unbefangeneres Bild zu verschaffen. Die Hauptbezugsfläche für die zeitliche Einordnung des diluvialen Formenschatzes im Rheintal bildet die Sockelfläche des Deckenschotters, die am unteren Bodensee-Ende (Schienerberg, Seerücken) in 680-700 m liegt, und von den meisten Autoren als präglazial gewertet wird. Auf diese Fläche beziehbare Talbodenreste liegen im Rheintal oberhalb des Bodensees zunächst am Pfänder und Rohrschacher Berg in 850 m, weiter bei Feldkirch in 900 m. Illaufwärts ist der präglaziale Talboden im Montafon als weiträumiges 1500-m-System erhalten. Dagegen sind im Rheintal oberhalb Feldkirch und in den zugehörigen Seiten- und Quelltälern nur vereinzelte Talbodenreste erhalten, deren Zusammenhang in nur wenigen Fällen erwiesen sein dürfte. Vielmehr gehört ein Großteil davon verschiedenen präglazialen Talgeschlechtern an. Völlig isoliert ist z. B. die Verflachung am Fläscher Berg in 920-950 m; vermutlich gleich alte Leisten liegen im Prätigau in 1000-1060 m, an der Plessurmündung in 1100-1200 m, bei Churwalden in 1200-1300 m, bei der Via Mala in 1300 m, im Oberhalbstein (Crap-Sees) in 1380-1400 m und (bei Cresta) in über 1600 m, bei Scbmitten und Wiesen in 1300 bis 1400 m und zwischen Filisur und Bergün in 1440-1550 m. Im Schams sind vom präglazialen Talboden nur mehr Simse in 1300-1400 m erhalten, erst bei Hinteuhein liegt in 1700 m eine größere Verebnung. Der Rheinwald dürfte damals noch ein V-Tal gewesen sein. Im Vorderrheintal zeigen Leisten zwischen Brigels und Disentis den präglazialen Talboden in 1300-1500 m, eine Stufe des Medelser Rheins bei Aela in 1620 m an. Das ist in großen Zügen alles, was vom präglazialen Talboden erhalten geblieben ist. Von der Günz-Eiszeit sind im Rheintal, ähnlich wie in den meisten anderen Alpentälern, nach dem heutigen Stande der Kenntnis weder Ablagerungen noch Formen erhalten geblieben.

Keywords

quaternaryalpine upper rhine valleygravel