Original paper

Ein Ovibos-Unterkiefer aus dem jüngeren Diluvium Oberschwabens

Berckhemer, F.

Kurzfassung

Noch ehe meine Mitteilung über den ersten Nachweis des Moschusochsen im Diluvium Württembergs erschienen war, erhielt die Württ. Naturaliensammlung in Stuttgart einen weiteren Moschusochsenbeleg zugestellt. Am 24. April 1941 benachrichtigte der Betriebsleiter der Kieswerke Alfons Weinig, Waldsee, Werk Baienfurt, Herr Paul Grimm, das Museum vom Fund eines "Kieferknochens" in der Kiesgrube dieses Werkes am Annaberg bei Baindt. Aus den Umrißzeichnungen der Fundteile, die Herr Grimm seinem Schreiben beigegeben hatte, war zu ersehen, daß es sich um einen linken Unterkieferast handelte - von Bos oder Bison, wie ich zunächst wegen der Gestalt und außerordentlichen Größe des letzten Molaren annahm. Als Herr Grimm dann auf meine Bitte bereitwilligst die Fundstücke selbst übersandte, ließ der Bau der Zähne jedoch rasch die Zugehörigkeit zum Moschusochsen erkennen. Als zweiter Moschusochsenfund aus Württemberg wird eine linke Unterkieferhälfte mit P3-M3 aus jungwürmeiszeitichem Fluvioglazial des Annaberg bei Baindt, Kr. Ravensburg, beschrieben. Als Formmerkmale der Zähne gegenüber denen rezenter Moschusochsen sind hervorzuheben: Für P3 enge und tiefe Ausbildung der zwischen Vorderhorn- und Hinterhornteil des Vorjochs liegenden Bucht; für P4 späteres Ausbiegen der Vorderhornfalte des Vorjochs nach vorne und gestreckterer Bau der Krone; für M2 die Länge des zweiten Prisma. M3 fällt durch seine besondere Stärke auf. Allgemein zieht sich der Schmelz tiefer an den Wurzeln herab. Die Zahnreihenlänge übertrifft diejenige der benutzten rezenten Vergleichsgebisse wesentlich.

Keywords

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