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Sumpfschildkröten (Emys orbicularis L.) aus dem diluvialen Sauerwasserkalk von Cannstatt bei Stuttgart

Staesche, Karl

Kurzfassung

Das Diluvium des Neckargebietes bei Stuttgart reiht sich durch die Mannigfaltigkeit der in ihm vertretenen Gesteine und durch reiche paläontologische Funde würdig den anderen klassischen Vorkommen des Landes an. In wissenschaftsgeschichtlicher Hinsicht nimmt es sogar eine Vorzugsstellung ein, fanden doch in Cannstatt bereits vor mehr als 2 1/2 Jahrhunderten, anno 1700, sowie später 1816 und 1860 auf persönliche Veranlassung der regierenden Monarchen wissenschaftliche Ausgrabungen statt, die ein nicht nur für die damalige Zeit beachtenswertes Ergebnis hatten, sondern auch heute noch in der Diskussion über die Entstehung dieser Vorkommen eine Rolle spielen. Besonderes Interesse wurde von jeher dem Cannstatter Sauerwasserkalk entgegengebracht, einem Travertin, der im Gebiet seiner mächtigsten Entwicklung - im Neckartal bei Münster, Cannstatt und Untertürkheim - rund 25 m Stärke erreicht und einen hervorragenden Architekturstein liefert, der in großen Steinbrüchen abgebaut wird. Die in ihm enthaltene Fauna und Flora kennzeichnet den Sauerwasserkalk als Diluvialbildung; die genauere Altersbestimmung ist von der im Gange befindlichen Untersuchung der Säugetier-Reste durch Dr. Adam zu erwarten. Das Vorkommen der europäischen Sumpfschildkröte, Emys orbicularis L., im Cannstatter Kalk ist schon lange bekannt, allerdings bis vor kurzem nur in zwei kümmerlichen Funden: einem rechten Humerus und einem rechten Hypoplastron, beide im Besitz der Geologischen Abteilung des Staatlichen Museums für Naturkunde in Stuttgart.

Keywords

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