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Rezente und fossile Mineral- und Thermalwässer im Oberrheintal-Graben und seiner weiteren Umgebung

Carlé, Walter

Kurzfassung

Der Oberrheintal-Graben ist eines der markantesten bruchtektonischen Gebilde Europas, eingespannt an eine riesige meridionale Bruchstruktur globalen Ausmaßes (Stille 1949). Der Versuch einer zusammenfassenden Darstellung seines Baues und dessen Entwicklung wurde vor einigen Jahren in Anlehnung an W. Wagner (1950) versucht (Carlé 1955: 166-190). Für Einzelheiten muß hierauf verwiesen werden; doch sei in kurzen Worten das Wesentlichste gesagt. Das Oberrheintal ruht in einem von Abschiebungen gerahmten und bis in kleine Einzelschollen zerlegten Dehnungsgraben, in dem einige wenige meridionale Einengungsformen sehr zurücktreten. Zur Zeit des Obereozäns und Unteroligozäns war er im Südteil, während des Oberoligozäns und Miozäns im Nordteil lebendig; im Mitteloligozän sank er, etwas verbreitert, über die ganze Erstreckung gleichzeitig ab und im Pliozän-Pleistozän erhielt der gesamte Graben sein heutiges Gepräge. Er wird von vulkanischen Erscheinungen begleitet, die indes nur im Kaiserstuhl und in der Wetterau größeren Umfang annehmen. Der Vulkanismus beginnt vor dem Mitteloligozän und reicht bis ins Pliozän (Carlé 1955: 186-190, 194-197). Es wäre verwunderlich, wenn ein solch stark zerblocktes Krustenstück grundwasser-geologisch nicht besonders ausgezeichnet wäre. Der Bildung von Mineralwässern müßte das Grabengebiet Vorschub leisten, weil in ihm Schichten verschiedener petrographisch-chemischer Zusammensetzung auf verhältnismäßig engem Raum vereint sind und weil die vielen Verwerfungen wandernden Wässern zahllose Wege öffnen. Der zwar erstorbene Vulkanismus sollte sich immer noch bemerkbar machen; von ihm abstammende Kohlensäure müßte Säuerlinge schaffen und höhere Erdwärme könnte zusammen mit tiefgründigen Wegen zur Bildung von Thermalwässern führen.

Keywords

Oberrheintal-GrabenEozänOligozänMineral- und ThermalwässerKaiserstuhlWetteraugermany