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Waldrandstufen und dolinenartige Schlämmtrichter als Sonderformen der Bodenerosion im Kleinen Odenwald

Müller, Siegfried

Kurzfassung

Die südlich über den Neckar hinausreichende Randzone des Odenwaldes gegen die warme Lößlandschaft des Kraichgaues ist der "kleine Odenwald". Er besteht aus einem flachwelligen, etwa zur Hälfte bewaldeten Hochland, das von den tiefen Talschluchten des Neckars und seiner Nebentäler durchzogen ist. Der Obere Buntsandstein mit dem feinsandig-tonigen Plattensandstein und dem tonig-glimmerigen Rötmergel bildet die Hochfläche. Fast überall ist den Verwitterungsböden etwas Lößlehm beigemengt, der nach Süden mit abnehmender Meereshöhe zunimmt. Aber auch die höchsten Lagen weisen an erosionsgeschützten flachen Stellen noch deutliche Schleier und Decken von Lößlehm auf. Die unteren Teile dieser Lehmdecken sind meist steinig. Bei rund 900 mm Jahresniederschlag sind die Lößlehme der Hochlagen erwartungsgemäß völlig entkalkt. Überall ist etwas Feinsand aus dem Plattensandstein beigemengt, d. h. diese Decklehme haben "Lokalkolorit", wie die meisten derartigen Lehmdecken. Diese sandigen Feinlehme sind besonders erosionsempfindlich, was vielleicht auf den hohen Mehlsandanteil und die beigemengten Glimmerblättchen aus dem Oberen Buntsandstein zurückgeht. Deshalb stehen hier die Wälder oft auf "Waldrandstufen", die bei der forstlichen Standortkartierung in dieser Gegend häufig gefunden wurden. Sie sind die Folge einer kräftigen Flächenerosion, der das offene Ackerland hier unterlag, seit der Mensch, wohl im späten Mittelalter, die Wälder der Gegend rodete. Die verbliebenen Waldstücke schützten nach der Rodung ihre Böden vor Abspülung, weshalb sie heute his zu 60 cm über die angrenzenden Felder und Wiesen herausragen. Die Erscheinung ist besonders ausgeprägt am Rande flacher Mulden, die bei Tauwetter über gefrorenem Untergrund stark ausgeräumt werden. In Deutschland sind Waldrandstufen bislang durch Wandel u. Mückenhausen (1950) aus dem Siegerland bekannt geworden.

Keywords

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