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Die Höhenschotter-Gerölle vom Leuchtmannshof bei Neckarwestheim

Linck, Otto

Kurzfassung

Zu beiden Seiten des mittleren Neckars finden sich alte, entkalkte Schotter, die im Gegensatz zu den Hochterrassenschottern seit Koken (1900) mit guten Gründen nicht mehr als "Deckenschotter", sondern als "Höhenschotter" bezeichnet werden. Sie liegen durchschnittlich 50-100 m über dem heutigen Neckarspiegel und greifen in erstaunlicher Breitenstreuung nach beiden Seiten hinaus. Die verschiedene Höhenlage weist aber nicht auf ein verschiedenes Alter der Schotter hin, sondern ist auf spätere tektonische Bewegungen zurückzuführen, die nach Ablagerung der Höhenschotter eingetreten sind. Nur tektonische Veränderungen vermögen auch zu klären, warum die Höhenschotter des mittleren Neckars trotz ihrer verschiedenen Höhenlage fast durchweg auf Lettenkeuper liegen. Ursprünglich dürften die Höhenschotter ziemlich in einer Ebene über dem heutigen Neckar gelegen haben. Die Höhenschotter wurden auf den württembergischen geologischen Kartenblättern von Besigheim und Kochendorf kartiert und in den zugehörigen Begleitworten beschrieben. Eingehend beschäftigte sich vor allem Heubach in seiner Arbeit "Beiträge zur Frage der Entstehung der Heilbronner Mulde" 1925 mit den alten hochliegenden Schottern. Alle Bearbeiter aber beklagen, daß die "Höhenschotter" des mittleren Neckars kaum einmal "als Schotterkomplex anstehend" zu beobachten sind. Auch Heubach kannte nur noch einen einzigen entsprechenden guten Aufschluß auf dem "Lug" zwischen Kirchheim und Walheim; auch dieser ist inzwischen verlorengegangen. Daß die Höhenschotter kaum einmal anstehend zu sehen sind, hat seinen Grund vor allem darin, daß die Muschelkalk-Lettenkeuper-Fläche, auf der sie abgelagert wurden, später weitgehend von Löß bedeckt wurde. So stützen sich die Angaben über das Vorkommen der Höhenschotter fast ausschließlich auf einzelne Lesestücke im Abraum von Muschelkalkbrüchen, an Feldwegen und auf Äckern. Demgegenüber erscheint das 95 m über dem heutigen Neckar liegende Höhenschotter-Vorkommen am Straßenknie östlich vom Leuchtmannshof, Markung Neckarwestheim, in dreifacher Hinsicht bemerkenswert: Zunächst sind die Höhenschotter-Gerölle hier in einem anstehenden Profil zu beobachten, durch die Art der wirtschaftlichen Ausbeutung der Fundstelle steht ferner sehr viel (zudem unverkrustetes) Geröllmaterial für eine qualitative Untersuchung zur Verfügung, zudem weicht die Art der Ablagerung weitgehend von den Vorstellungen ab, die man gemeinhin mit Schotter-Ablagerungen verbindet.

Keywords

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