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Untersuchungen und Überlegungen zur Entstehung des Rieses

Weiskirchner, Walter

Kurzfassung

Erst seit kurzem bekannte Tatsachen mineralogisch-petrographischer Art zwingen neuerdings dazu, die Deutung des seit hundert Jahren vielerforschten und vielumstrittenen Rieskessels durch den Einschlag (impact) eines großen Meteoriten ernsthaft in Erwägung zu ziehen. Hier werden z. T. neue Untersuchungen über das Auftreten des Minerals Coesit und anderer, für die Impact-Deutung wichtiger Minerale vorgelegt, die Beziehungen eines Meteoriteneinschlags zu dem unleugbar auch vorhandenen Ries-Vulkanismus erörtert und heuristische Thesen über den möglichen Gang der Ereignisse zur Diskussion gestellt. Während die Erforschung des schwäbisch-fränkischen Rieses mit geologischen Methoden nichts an Vielseitigkeit und Geist zu wünschen übrig läßt, war es auf der mineralogischen Seite bei uns als erster W. von Engelhardt, der in einem Vortrag in Tübingen im Dezember 1961 petrographische und physikalisch-chemische Aspekte in den Vordergrund stellte und zeigen konnte, daß die geologischen Befunde und Deutungen nicht nahtlos in die petrographischen und physikalisch-chemischen Tatsachen hineinzufügen sind. Im folgenden soll nun zunächst die Meteoritentheorie - aus dem Stadium der Hypothese ist sie dank der Arbeiten von Chao und anderen schon längst hinaus - in ihren wesentlichen Argumenten diskutiert werden. Daran schließt sich eine Würdigung der Hinweise für eine vulkanische Entstehung des Rieses. Im letzten Abschnitt schließlich soll aus diesen beiden Theorien eine Synthese geschaffen werden, die, um es vorwegzunehmen, das Ries als sowohl durch Meteoriteneinschlag, als auch durch Vulkanismus entstanden deutet. Diese Deutung scheint nach dem heutigen Stand unseres Wissens zwingend und geeignet, alle bekannten Beobachtungen und Befunde plausibel zu korrelieren.

Keywords

RiesCoesitMeteoritgermany