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Stylolithen und Gegenstylolithen

Hölder, Helmut

Kurzfassung

In die Achse von Stylolithen können Gegenstylolithen eindringen. Ihre Bildung wird wahrscheinlich durch zunehmende Härte des Gesteins bedingt, in das der Hauptstylolith eindringt. Jeder Geologe kennt die in Kalksteinen häufig auftretenden Stylolithen ("Säulensteine"). Georg Wagner (1913) hat ihre zuvor umstrittene Entstehung geklärt: Sie bilden sich im harten Gestein unter Druck, der als Belastungsdruck von oben oder aber als tektonisch verursachter Druck von der Seite her kommen kann. Dabei löst sich der Kalk an Inhomogenitätsflächen - z. B. Schichtgrenzen oder Rissen -, die mit der Druckrichtung einen rechten oder auch spitzen Winkel bilden, unter dem Einfluß der Bergfeuchtigkeit langsam auf. Bei völlig gleichmäßiger Gesteinshärte würde die Auflösung von der Schicht- oder Rißfläche aus gleichmäßig nach beiden Seiten ausgreifen und nicht zu erkennen sein. Bei ungleicher Härte zu beiden Seiten der Grenzfläche würde nur die weichere Gesteinshälfte oder -scholle angelöst werden. Wenn die Schollen zu beiden Seiten aber ungefähr gleichhart sind, in sich selbst aber von Zentimeter zu Zentimeter geringe Härteunterschiede bieten, dann dringt bei der Anlösung unter Druck bald von der einen, bald von der anderen Seite eine druckresistente, härtere Partie als Zahn oder kleine Säule in das Gegengestein ein - und zwar je länger (in zeitlichem Sinne), desto tiefer, so daß ältere Gesteine längere Stylolithen (in räumlichem Sinne) haben als jüngere Gesteine (Gerold H. Wagner). Am Kopf der Säulen sitzen nicht selten Fossilien, z. B. Terebrateln, deren Schalen der Lösung stärkeren Widerstand leisten als das umgebende Gestein, und die deshalb den Angriff vortragen. Der Stylolithen-Kopf trägt außerdem in der Regel eine dunkle Tonhaut als Kappe, die aus dem Ton-Rückstand des gelösten Kalkes besteht und deren Dicke also vom Tongehalt und der Menge des aufgelösten Kalkes abhängt.

Keywords

StylolithGegenstylolithKalkstein