Original paper

Über die Fossilarmut geosynklinaler Meeressedimente der Kalkalpen Bayerns und Nordtirols

Quenstedt, Werner

Kurzfassung

In fossilarmen Gesteinen, besonders in alpinen Kalken und Dolomiten, wird die diagenetische Zerstörung der Fossilien oft überbewertet. Es ist demgegenüber einerseits mit schon primär benthos-armen Meeresgründen, andererseits mit großzügiger, von Strömungen verursachter Räumung ganzer meerischer Biotope (Lebensräume) von den abgestorbenen planktonischen, nektonischen und auch von manchen benthonischen Organismen-Resten zu rechnen. Eine der auffallendsten Erscheinungen, die uns so zahlreiche mesozoische und känozoische Meeressedimente - und gerade die mächtigsten unter ihnen - in den Alpen zeigen, und die auch die Ursache dafür ist, daß ihre Altersfolge und Altersstellung so lange ungeklärt blieb, ist ihre Armut an Versteinerungen. Entsprechendes gilt wohl überhaupt für die Geosynklinalgebiete der Erde. Daß ein Dünensand, daß der grobe Flußsmotter eines Gebirgsflusses, daß Gehängeschutt keine oder nur ausnahmsweise fossile organische Einschlüsse enthält, ist uns eine geläufige Erscheinung. Bei limnischen und vor allem marinen Sedimenten liegen die Verhältnisse in der Regel anders. Man denkt bei Fossilarmut von Meeresablagerungen gern zunächst an den roten Tiefseeton, der aber auch im günstigsten Fall nur für eine Minderzahl alpiner Gesteine als Analogon in Frage kommt. In zweiter Linie suchen wir die Ursache bei der Diagenese, besonders für Ablagerungen, die aus Riffen her- vorgegangen sind.

Keywords

KalkalpenBayernNordtirolMeeressediment