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Chronologische Probleme im schweizerischen Quartär

Hantke, René

Jahresberichte und Mitteilungen des Oberrheinischen Geologischen Vereins Band 45 (1963), p. 45 - 60

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published: Dec 1, 1963

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Kurzfassung

Mit Bernard Friedrich Kuhn, der bereits 1787 alte Moränen weit außerhalb der heutigen Gletscherenden erkannte und daraus auf eine einst viel größere Ausdehnung der Gletscher schloß, nahm die Eiszeitforschung in der Schweiz in Grindelwald ihren Anfang. Durch John Playfair (1804) sowie durch Jean-Pierre Perraudin's Äußerung, daß die Walliser Gletscher früher einmal weit ins Mittelland gereicht haben müssen, war der Anstoß zur Lösung eines Problems gegeben, das seit langem die Gemüter beschäftigte: Herkunft und Transportart der über Mittelland und Juragebirge verstreuten Erratiker. Mit Ignace Venetz, Jean De Charpentier und Louis Agassiz wurde die Idee einer gewaltigen Eiszeit, in der fast die ganze Schweiz von mächtigen Gletschern bedeckt war, wissenschaftliches Allgemeingut. Später erkannten Adolphe Morlot (1858) und Oswald Heer (1864), daß mindestens zwei Vergletscherungen stattgefunden haben mußten, und Albrecht Penck und Eduard Brückner (1909) unterschieden in ihrem Werk "Die Alpen im Eiszeitalter" deren vier. Zugleich trugen sie darin eine derartige Fülle an Tatsachen zusammen, daß ihre Chronologie für längere Zeit als endgültig betrachtet wurde und in der Schweiz weitgehend erstarrte. Das von Penck im außermoränischen Bereich entwickelte und dort richtige Schema der ineinander geschachtelten Talterrassen wurde nicht nur auf die Schotterfluren des Mittellandes angewendet, sondern die Idee von der sukzessiven Eintiefung der Täler in den Interglazialzeiten wurde auch in die Alpentäler hineingetragen. Hier, wo Schotterablagerungen infolge der größeren Niveaudifferenzen fehlten, glaubte man das Prinzip erosiv verwirklicht zu sehen und in Form alter Talbodenreste wieder zu erkennen. Diesseits und jenseits des Alpenkammes wurden solche zu Systemen zusammengefaßt, von Tal zu Tal miteinander verbunden und zeitlich einzustufen versucht, wobei - im Feld oder nur über Kurvenkarten sitzend - nach passenden Terrassen gesucht und solche auch "gefunden" wurden.

Keywords

chronologyswitzerlandquaternary