Field trip guide

Bericht über die Vorexkursion in die Umgebung von Überlingen am 20. April 1965

Schreiner, Albert

Kurzfassung

Am Westrand von Überlingen ist bei Brünnensbach durch Straßenbauarbeiten ein 150 m langer Aufschluß geschaffen worden, durch den die Grenzfläche Obere Meeresmolasse/Untere Süßwassermolasse freigelegt worden ist. An einer 40 m hohen, senkrechten Wand stehen oben die graugrünen, massigen Glaukonitsandsteine der Heidenlöcher Schichten (Obere Meeresmolasse = OMM) und unten bis zu 10 m gelbbraune Mergelsteine und Sandsteine der Unteren Süßwassermolasse (= USM) an. Die Grenzfläche fällt von SE nach NW um etwa 15 m ab, und zwar in 4 Stufen von je 1,5 bis 5 m Höhe. Es handelt sich um Erosionsstufen, denn die Schichten der USM gehen unter den Stufen ungestört mit leichtem SE-Fallen durch und die OMM-Schichten legen sich als Füllung in die Erosionsrinne. An der Grenzfläche sind mannigfache Erosions- und Aufarbeitungsspuren sowie mit Glaukonitsand gefüllte Grabgänge sichtbar. Etwas weiter westlich, an der Felsenkapelle, reicht die OMM bis unter das Niveau der Bundesstraße. Brocken aus aufgearbeiteter USM bis 30 cm und vereinzelte alpine und jurassische Gerölle deuten darauf hin, daß hier die Tiefenlinie der SW-NE streichenden Erosionsrinne liegen dürfte. Bei Brünnensbach ist der 15 m hohe, gegen das allgemeine SE-Schichtfallen eingetiefte östliche Rand der Rinne aufgeschlossen. Der Westrand der Rinne ist weiter westlich zu vermuten, wo die Mächtigkeit der Heidenlöcher Schichten ziemlich rasch von nahezu 100 m an der Felsenkapelle auf 65 m im Hödinger Tobel und dann auf 30 m am Käsberg abnimmt. Es ist anzunehmen, daß die Rinne zu Beginn der Ablagerung der Meeresmolasse in flachem Wasser durch entsprechend stark strömendes Meerwasser in den Untergrund gegraben worden ist.

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