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Über pliocäne Buntsandsteinschotter im Kraichgau bei Bruchsal nebst Bemerkungen über alttertiäre Juraschotter bei Ubstadt.

Freudenberg, Wilhelm

Kurzfassung

Gelegentlich militärischer Übungsmärsche konnte ich die Hochflächen des Kraichgauer Hügellandes am Ausgange des Salbachtales näher studieren. Die Landschaft macht, abgesehen von den diluvialen Erosionsrinnen der heute ziemlich wasserarmen Bäche, einen sehr ausgereiften Eindruck. Das herrschende Gestein, Hauptmuschelkalk - gelegentlich mit Keuper und Oligocänschollen wechselnd - bildet lang ausgestreckte sargförmige Berge, deren höchste Erhebungen oft auffallend eben sind, und mit sehr geringem Neigungswinkel nach dem jetzigen Salbachtale zu abfallen. Solche Hochflächen pflegen in unserer Muschelkalkgegend nicht subaerisch gebildet zu sein, sondern starken Flußläufen ihre Entstehung zu verdanken, deren wechselnde Strömung breite Talausgänge von deltaartigem Gepräge bildete. Ein solches altes Flußdelta befand sich einst am Ausgange des Salbaches in der Bruchsaler Gegend. Die Höhe 237 südlich von Bruchsal auf der Generalstabskarte 1:100000 ist ein Rest dieses alten breiten Flußtales und ebenso gehört die Höhe 236 - nördlich von Bruchsal - diesem Hochplateau an. Die letztere senkt sich durch seitliche, spätere Erosion bis zur Höhe 219 und geht dann in die diluvialen Talstufen über, die in ziemlich steilen Terrassen zum jetzigen Talniveau herabführen. Angeregt von meinen anderwärts gemachten Erfahrungen, daß solche ebenen Hochflächen in der Nähe heutiger Flußtäler gewöhnlich mit einem Schleier von schwer verwitterbaren Geröllen überzogen sind, die in Höhenlagen von 100-150 m dem jüngeren Tertiär angehören dürften (am Ostrande des Rheintalgrabens), suchte ich auch auf unseren 122 m über dem Alluvium der Rheinebene liegenden Hochflächen nach Geröllen und fand in kurzer Zeit eine Menge von Flußgeschieben, die durchaus ortsfremd sind. Es sind vorwiegend weiße Milchquarze, schwarze Kieselschiefer, grünliche Grauwacken, rötliche Quarzite, wie solche im rheinischen Schiefergebirge ursprünglich beheimatet waren, aber jetzt teils im Bunten Sandstein, insbesondere in den sog. Geröllhorizonten, aber auch im Stubensandstein des Keupers sich angereichert haben.

Keywords

pliocenebuntsandsteinschotterkraichgaubruchsaltertiärubstadtgermanymuschelkalkalluvioumrheinebene