Original paper

Über Analogieerscheinungen im geologischen Bau ostalpiner Gebirgsstöcke, insbesondere beim Wendelstein und Wetterstein. Dem Andenken an Eberhard Fraas gewidmet.

Mylius, H.

Kurzfassung

Es ist eine bedauerliche Erscheinung, daß immer mehr der heutigen Alpengeologen es gleichsam als eine zwingende Notwendigkeit erachten, alles nach modernen Anschauungen umzudeuten, was die vorangegangene Generation geschaffen hatte. In solchen oder ähnlichen Worten äußerte sich mir gegenüber Eberhard Fraas, als wir Ostern 1914 anläßlich der letzten Versammlung des Oberrheinischen geologischen Vereines zu Friedrichshafen auf einer Exkursion auch auf die Alpengeologie zu sprechen kamen. Fraas mochte damals unwillkürlich empfunden haben, daß seine alpine Arbeiten, insbesondere die über den Wendelstein, im Begriffe waren, in den Streit der Meinungen gezogen zu werden. Allerdings ist seit dem Erscheinen der letzteren ein volles Vierteljahrhundert verstrichen; und in dieser Spanne Zeit fanden in den Alpen manche interessante und wichtige Probleme Lösungen, die auch Fraas bei der Erforschung seines Gebietes Nutzen gebracht hätten. Dennoch muß von seiner Arbeit anerkannt werden, daß sie für den Wendelstein ein in jeder Hinsicht vorzüglicher geologischer Führer geblieben ist und dies auch zu allen Zeiten bleiben wird. Wer an ihr das Umdeuten im großen Stil beginnt, kann von vornherein des Mißerfolges sicher sein. Unter den Ergebnissen neuerer Forschung, die sich auf das Wendelsteingebiet mit Recht anwenden lassen, und dadurch eine beschränkte Umdeutung der von Fraas gegebenen Beschreibung gestatten, kommen hier nur solche tektonischer Art in Betracht. Denn daß der Nachweis des Vorhandenseins von Dogger und Cenoman in diesem Gebiet gelang, kann nur als eine Ergänzung und erfreuliche Bereicherung der von ihm gegebenen vorzüglichen Stufenfolge bezeichnet werden.

Keywords

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