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Zur Stratigraphie und Lagerung des Tertiärs auf dem Oberen Eselsberg nördlich von Ulm/Donau (Ergebnisse der Baugrunderkundung für den Universitätsneubau)

Schuler, Günter

Kurzfassung

Umfangreiche Baugrunduntersuchungen für den Neubau der Universität Ulm und weitere Bauvorhaben auf dem Oberen Eselsberg nördlich von Ulm erbrachten neue Erkenntnisse über den Schichtaufbau und die Lagerungsverhältnisse der tertiären Sedimente des subjurassischen Randes auf dem Weißjura der Schwäbischen Alb und zeigten in beispielhafter Weise die Bedeutung geologischer Grundlagen für die Baugrunderkundung und -beurteilung. Die bis zu ca. 50 m mächtigen Ulmer Schichten der aquitanen Unteren Süßwassermolasse (USM) können auf dem Eselsberg auf Grund der Korrelation von zahlreichen Bohrprofilen in eine sandfreie Hangendkalkfolge und eine tiefere sandreiche Hauptfolge untergliedert werden. Die Ablagerungen der Oberen Meeresmolasse (OMM) mit einer Mächtigkeit bis zu 12 m sind in Übereinstimmung mit dem südwestlichen Vorries im Liegenden als Sande bzw. Sandmergel mit Muschelschill und Basisgeröllen aus USM-Kalkstein, im Hangenden als feinsandige Schlufftone ausgebildet. Für eine Zuordnung dieser Schichten zum zweiten Sedimentationszyklus des Beckens (Baltringer Horizont und Feinsandserie bzw. Deckschichten) mit mittelhelvetischem Alter spricht auch die Schwermineralführung mit sehr hohem Epidotanteil. Die Ablagerungen der OMM greifen diskordant auf die USM über (Erosionsdiskordanz und schwache Winkeldiskordanz). Die vermutlich mittelpliozäne Ur-Donau schuf auf dem Eselsberg eine bis zu 30 m tiefe Erosionsrinne. Nach Zuschotterung des Einschnittes pendelte sie in einem wesentlich weiteren, zumindest der heutigen Eselsbergkuppe entsprechenden Tal und hinterließ flächig verbreitete, jedoch geringmächtige Restschotter, ehe im Jungpliozän und Altpleistozän die Erosion des Blautales stattfand. Die Verbiegungs- und Bruchstrukturen der Tertiärschichten lassen Bewegungsvorgänge vor und nach Ablagerung der Oberen Meeresmolasse erkennen mit einer älteren, postaquitanen/prämittelhelvetischen und einer jüngeren, postmittelhelvetischen. Für letztere sind auf Grund eines deutlichen Zusammenhanges zwischen der Lagerung der USM/OMM-Grenze und dem Verlauf der Erosionsrinne der Ur-Donau wesentliche Krustenbewegungen zur Zeit des Mittelpliozäns anzunehmen.

Keywords

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