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Die Hörre und ihre Stellung im östlichen Rheinischen Schiefergebirge

Bender, Peter

Kurzfassung

Die Hörre-Zone ist ein Gesteinszug mit von der normalen Fazies abweichender Entwicklung des Oberdevons und Unterkarbons, der die Dill-Mulde von der Lahn-Mulde trennt. Besonders auffällig sind Grauwacken, die bereits im mittleren Oberdevon auftreten und klastische Kalksteine. Vom höheren Teil der Unteren Nehden-Stufe bis in das mittlere Unterkarbon werden übereinander sechs lithostratigraphische Einheiten unterschieden. Die gröberklastischen Gesteine der Hörre sind eingeschaltet in feinklastische Sedimente, die sich nur wenig von ähnlichen Sedimenten der normalen Fazies unterscheiden. Die Hörre wird als rinnenförmiger Sedimentationstrog gedeutet, in den überwiegend aus dem Südwesten gröberklastisches Material eingeschüttet wurde. Auch in den unmittelbaren Nachbargebieten der Hörre-Zone herrschen Faziesverhältnisse, die von der normalen Entwicklung abweichen, aber auch Verzahnungen zwischen abweichender und normaler Entwicklung. Kammquarzit, im Kellerwald und Harz besonders auffälliges Gestein, tritt nur nordwestlich der eigentlichen Hörre-Zone auf. In dem südöstlichen Nachbargebiet der Hörre sind kieselige und sandige Gesteine des höheren Oberdevons verbreitet. Für diese Folge wird der lithostratigraphische Name Lohra-Formation vorgeschlagen. Das Gebiet mit abweichender Faziesentwicklung wird zur Lahn-Mulde hin begrenzt durch die südliche Hörre-Randschwelle, die durch geringmächtige Flaserkalke der Adorf- bis Hemberg-Stufe und durch eine Schichtlücke im höheren Oberdevon gekennzeichnet ist. Zusammenhänge zwischen Grauwacken der Hörre und Gießener Grauwacke lassen sich nicht nachweisen. Tektonisch zeigt die Hörre-Zone den gleichen Bau wie die Dill-Mulde. Eine Deutung der Hörre als Teil einer fernüberschobenen Decke läßt sich wegen der Faziesverzahnungen mit den Nachbargebieten nicht aufrecht halten.

Keywords

Hörre-ZoneGrauwackenOberdevonLahn-MuldeDill-Muldegermany