Field trip guide

Kristalliner Bergsträßer Odenwald (Exkursion I am 25. April 1992)

Frenzel, Gerhard

Kurzfassung

Rhenohercynikum wird als Überschiebung (NEUMANN 1 974), Subfluenzzone (BEHR 1 978) oder auch als plattentektonische Kollisionszone (RUCK 1 983, FRANKE 1 989) interpretiert. Eindeutige Aufschlüsse sind nicht bekannt. Am Südrand des Rheinischen Schiefergebirges verschwindet das variskische Grundgebirge im Bereich der Phyllitzone (MASSONNE & SCHREYER 1 984) unter jüngeren Deckgebirgsserien. Neben devonischen und karbonischen Plutonen besteht die Mitteldeutsche Schwelle aus metamorphosierten paläozoischen, besonders silurischen Sedimenten (PFLUG & REITZ 1 987), die auf noch älterem Grundgebirge aufliegen (HIRSCHMANN & OKRUSCH 1 988). Zu irgendeinem Zeitpunkt während der variskischen Gebirgsbildung wird der Bergsträßer Odenwald Bestandteil dieser Schwellenzone, als Folge einer starken Krusteneinengung von NW nach SE. Der Bergsträßer Odenwald ist charakterisiert durch Gneise, Metasedimente und Amphibolite, die von spätdevonischen Gabbros, karbonischen Dioriten und Graniten intrudiert wurden. Die Diorit-Körper halten die NE-SW Richtung ein, wohingegen die Granit-Intrusionen, großräumig betrachtet, mehr ungeordnet erscheinen. Letzteres ist durch eine spätkinematische Platznahme der Granite bedingt, z. B. Lichtenberg-Granit . Noch später sind granodioritporphyrische Gänge und Lamprophyre. Der regionale Trend der Schieferung ist NE-SW bei steilem Einfallen. Eine besondere tektonische Einheit im NE des Bergsträßer Kristallins östlich der Gersprenz ist der ältere Böllsteiner Odenwald (Silur: LIPPOLT 1 986), der durch die NNE streichende Otzberg-Störung (SCHÄLICKE 1 975) vom Bergsträßer Odenwald getrennt ist. Der Böllsteiner Odenwald ist aufgebaut aus Rotgneisen bzw. s-Typ Granodiorit-Gneisen , flach liegend, rheinisch orientiert mit 80- 1 30° streichenden b-Achsen, die man gut als aufgeschobenes Moldanubikum (Deckenrest) verstehen kann (vgl. BUB-NOFF 1 926). NICKEL & OBELODE-DöNHOFF ( 1 962) zeigten, daß im Westen des Böllsteins , in der sog. Zwischenzone eine flach liegende, geplättete Gneisserie ansteht, die eine tektonische Grenze zwischen Sockel und Auflage darstellen könne (NICKEL 1 975). Ähnliches beschreibt NEUMANN ( 1 966) von im NE-Streichen des Odenwaldes liegenden Ruhlaer Kristallin im Thüringischen Raum, wo ein WE betont flach liegender Haubengneis auf einer flachen 20-40 m mächtigen Kakiritplatte (Mikrobreccie) aufliegt. Die konkordante Randzone des Böllsteiner Odenwaldes besteht aus variskisch geprägten Schiefern. Nach der Faltung im Jungpaläozoikum folgen Heraushebung und Abtragung bis zu einem Hügelland im jüngsten Paläozoikum, der permischen Rumpffläche. Verbreitet sind im Rotliegenden vulkanische Ergüsse der saalischen Phase, besonders rhyolithischer Natur, vor allem im Süden. Durch die Trias und den Jura bis in den Malm kommt es zu mesozoischen Ablagerungen . Nach deren Beendigung unterlag der Kristalline Odenwald seit über 1 30 Ma der Abtragung, deren Intensität von der Art der Heraushebung bzw. der Reliefenergie gegenüber dem seit dem Eozän einbrechenden Oberrheingraben gesteuert wurde, also einen klimageographischen Prozeß darstellt. 86 (c) 2011 www.schweizerbart.com DOI:10.1127/jmogv/74/1992/85