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Das Quartär in Vorarlberg: Die eiszeitlichen Prozesse und die Morphostratigraphie der letzten Talvergletscherung

De Graaff, Leo W.S.

Jahresberichte und Mitteilungen des Oberrheinischen Geologischen Vereins Band 75 (1993), p. 329 - 363

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published: Apr 13, 1993

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Kurzfassung

Die von der AGRG in Vorarlberg und im angrenzenden Alpenvorland durchgeführte, flächendeckende geomorphologische Kartierung und die weiteren quartärgeologischen Beobachtungen dort führten zur Entwicklung einer detaillierten Morphostratigraphie der eiszeitlichen Geländeformen und Quartärablagerungen. TaIfüllungen und ein 14C-Datum (23 900±400 BP) bringen Information über die letzte Aufbauphase . Das Eisstromnetz war vermutlich erst nach 22 000 BP völlig geschlossen. Die hochglazialen Eisrandlagen und Gradienten des Rheingletschers in Vorarlberg sind oft unterschätzt worden. Der Abbau ist von aufeinanderfolgenden (von Sedimenten markierten) Eisrandlagen des rückschmelzenden Rhein- und Illgletschers belegt. Die Vorlandstadien konnten mit der Talvergletscherung in Vorarlberg verbunden werden und sind außerdem mit einigen 14C-Datierungen verknüpft. Um 15 500 BP (Komplex 11 oder, Stein am Rhein' s. l.) hatten einige Seitengletscher im südlichen Walgau den Kontakt mit dem Illgletscher endgültig verloren. Im unteren Talbereich des Rhein-und Illtals waren die Hauptgletscher erst um 2000 Jahre später, vor dem Ende der Ältesten Dryas (13 200 BP), verschwunden. Die Interaktion zwischen glazialen und fluvialen Prozessen während der Auf- und Abbauphasen der pleistozänen Talvergletscherungen wird hervorgehoben. Der Prozeßgang wurde von der früh- und spätglazialen Ablagerung fluvialer Talfüllungen in verschiedenen Seitentälern des Rhein- und Illtals abgeleitet. Die vorhandenen Relikte ermöglichen nicht nur den Mechanismus der Haupt-/Seitentalvergletscherungen zu erklären, sondern es ist auch eine Talvergletscherungsfolge mit zugehörenden Schneegrenzlagen während des Eisaufbaus und Eisabbaues festzustellen. Neue stratigraphische Übersichtstabellen werden präsentiert. Schließlich wird auf die Konsequenzen für die chronostratigraphische Einstufung der fossilen Blockgletscher und Lokalmoränen hingewiesen. Die Schneegrenzdepressionswerte (SGD-Werte) waren im W-Vorarlberg bis kurz vor und nach dem letzten Hochglazial allgemein niedriger (höhere Schneegrenzlagen!) als vorher angenommen wurde. Die Temperaturkurven vom Grönlandeis scheinen synchrone Verhältnisse mit der letzten Rheintalvergletscherung aufzuweisen.

Keywords

vorarlbergquartärgeologischhochglaziallokalmoränenrheintalvergletscherung