Field trip guide

Die Geologie des Fichtelgebirges und der nördlichen Oberpfalz - Nordostbayern. Einführung zu den Exkursionen „Zur regionalen Geologie des zentralen Fichtelgebirges" (Exkursion A am 14. April 1998) und „Zur regionalen Geologie des nördlichen Oberpfälzer Waldes u

Rohrmüller, Johann; Mielke, Hubert

Kurzfassung

In den vergangenen 15 Jahren wurde das nordostbayerische Grundgebirge durch die Voruntersuchungen zur Kontinentalen Tiefbohrung (KTB) und durch ein breites Spektrum an geowissenschaftlichen Forschungsaktivitäten während der Bohrphasen der KTB-Vor- und -Hauptbohrung zu einem der am besten geologisch erkundeten Regionen Europas. Trotzdem sind noch viele Fragen über den Werdegang dieses Teils des variskischen Orogens offen. Das nordostbayerische Grundgebirge liegt am westlichen Rand der Böhmischen Masse, die den Ostteil des europäischen variskischen Orogens bildet. Es umfaßt die Bereiche mit paläozoischen und älteren, vermutlich oberproterozoischen Gesteinen, die unterschiedlich stark metamorph überprägt wurden. Es beinhaltet ferner meist nicht mehr deformierte variskische Intrusivgesteine. Vor allem im Oberkarbon sind diese Intrusiva, überwiegend Granite, meist nach Abschluß der jungvariskischen Metamorphose und Deformation in die älteren Gesteinskomplexe eingedrungen und auskristallisiert. Der heute vorliegende geologische Aufbau dieses Grundgebirgsanschnitts ist das Ergebnis mehrerer Gebirgsbildungsphasen des Paläozoikums, die mit der variskischen Orogenese im Karbon ihren Abschluß fand. Es wurde durch den teilweise schnellen Krustenaufstieg noch während der variskischen Zeitphase und vor allem durch die postvariskische Heraushebung und Erosion im jetzigen Oberflächenanschnitt zugänglich. Der geologische Werdegang der mitteleuropäischen Varisziden ist ausgehend von konsolidierten präkambrischen Kratonen ab dem späten Oberproterozoikum und im Altpaläozoikum durch nicht kontinuierlich verlaufende Phasen von divergenten und konvergenten Krustenbewegungen geprägt. Divergente Krustenbewegungen ("rifting") im nördlichen Bereich des damaligen Superkontinents Gondwana führten ab dem späten Oberproterozoikum zur Bildung von ozeanischen Becken und Randbecken, die wahrscheinlich durch Mikrokontinente getrennt waren. Teilbereiche der Becken wurden ab dem Kambrium von Konvergenzbewegungen (Subduktion und Kollision) erfaßt, durch die deren jungpräkambrische und paläozoische Sedimente und Vulkanite subduziert und in der Erdkruste oder sogar im Erdmantel metamorph umgewandelt wurden. Der finalen Kollision der Superkontinente Laurasia und Gondwana im Karbon, und damit die Bildung von Pangäa, gingen wahrscheinlich Kollisionen von kleineren, zwischengelagerten Kontinenten im Ordoviz und Devon voraus, nachdem die entsprechenden Ozeanbecken geschlossen waren.

Keywords

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