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Der Wiesetalgletscher im Südschwarzwald in der Würm- und Rißeiszeit

Schreiner, Albert; Sawatzki, Georg

Kurzfassung

Der Wiesetalgletscher, der starke Zuströme aus dem Prägbachtal und aus dem Schönenbachtal erhielt, hatte im Würmhochglazial eine Fläche von etwa 96 km2. Er war vom Zeiger am Feldberg bis nach Mambach bei Zell im Wiesetal etwa 20 km lang. Hochgelegene Moränen gestatten die Konstruktion eines Längsschnittes durch den Gletscher. Dessen Oberfläche hatte im Nährgebiet ein Gefälle von 2,5 bis 3%, im Zehrgebiet unterhalb der bei 1000m Höhe angenommenen Schneegrenze ein Gefälle von 4% mit zwei Versteilungen. Infolge der wesentlich höheren Lage der Felssohle des obersten Prägtales lag die Oberfläche des Prägtalgletschers um bis zu 160m höher als die des Wiesetalgletschers i.e.S. Im Bereich des Zusammenflusses von Wiese- und Prägtal erreichte der Gletscher mit 470 m seine größte Mächtigkeit. Besonders hoch gelegene Moränen, die stärker zersetzte Geschiebe enthalten, sind wahrscheinlich rißzeitlich. Sie unterscheiden sich von den würmzeitlichen Moränen außerdem durch ihre Überdeckung mit 0,4–1m mächtiger Fließerde oder Frostschutt, die als würmkaltzeitliche Bildungen aufzufassen sind. Weit über der konstruierten würmeiszeitlichen Gletscheroberfläche liegende Einzelgeschiebe wie z. B. am Hasenhorn und auf dem Sengalenkopf werden ebenfalls als Zeugen der 100 bis 200 m höher reichenden rißeiszeitlichen Vergletscherung gedeutet. Die Geschiebe im Gebiet von oberer Wiese und oberem Prägbach bestehen fast nur aus Gneisen, Migmatiten und Graniten. Die petrographische Zusammensetzung der Moränen ändert sich ab Utzenfeld, wo von der rechten Seite des Gletschers zur Mitte hin immer mehr Grauwacken, Schiefer und andere Gesteine der Badenweiler-Lenzkirch-Zone beigemischt werden, bis bei Schönau fast keine Geschiebe mehr aus Gesteinen vorkommen, die im Oberlauf der Täler anstehen. Die Geschiebeeinregelung in den Grundmoränen bestätigt die Erkenntnis, dass der Wiesetalgletscher talaufwärts in die Seitentäler von Wieden, Aitern, Wembach und Tunau eingedrungen ist, was zur Bildung von Stauseen und zur Ablagerung von Deltasedimenten in diesen Tälern geführt hat.

Abstract

The glacier of the Wiese valley had strong inflows from the Präg valley and the Schönenbach valley. During the Würm maximum it covered an area of about 96 km2, with a length of about 20 km and a maximimal thickness of 470 m. Recently discovered moraines at higher topographic levels enable us to construct a longitudinal section of the former glacier. Its surface had a descent of 2,5 to 3% in the accumulation area and 4% in the ablation area (névé line about 1000m). In the upper Präg valley the glacier surface was situated up to 160m higher then in the upper Wiese valley. Moraines at the higher topographic positions containing more strongly weathered boulders are probably of Riss age. In contrast to the Würm tills they are covered by 0.4–1 m thick solifluction earth and congelifract which we believe to be Würmaged formations. Boulders from the upper course of the valleys are essentially gneiss, migmatites and granites. Beginning at Utzenfeld an increasing change towards greywacke and schist is observed from the right side of the glacier towards its center. Near Schönau the drift contains only 1–2 % of the rocks in the upper part of the valleys. The long axis orientation of boulders in tills confirms that the glacier of the Wiese valley entered upstream the side valleys of Wieden, Aitern, Wembach and Tunau; as a consequence lakes were dammed and delta sediments deposited.

Keywords

glacier of the Wiese valleymorainegermany