Original paper

Frauen im Oberrheinischen Geologischen Verein

Villinger, Eckhard

Kurzfassung

In den letzten Jahren ist in Deutschland eine lebhafte öffentliche Diskussion um die Gleichstellung der Frau in der Gesellschaft in Gang gekommen. Die Beobachtung, dass auch in den geowissenschaftlichen Vereinigungen Deutschlands Frauen bis heute eine eher geringe Rolle spielen, gab den Anlass nachzuforschen, wie sich diese Situation beim 1871 gegründeten Oberrheinischen Geologischen Verein entwickelt hat. Als erste Frau trat Maria Gräfin von Linden (1869–1936) im Jahr 1891 in den Verein ein, kurz bevor sie als erste, außerordentliche Studentin im Königreich Württemberg zum naturwissenschaftlichen Studium in Tübingen zugelassen wurde. Nach ihrer Promotion 1895, der ersten naturwissenschaftlichen einer Frau in Deutschland überhaupt, wurde ihr 1910 als erster Frau an der Universität Bonn der Titel Professor verliehen, jedoch ohne Venia Legendi. Der Werdegang M. v. Lindens spiegelt musterhaft die Schwierigkeiten von Frauen in der damaligen Gesellschaft, besonders im universitären Bereich. Bis zum ersten Weltkrieg wurden weitere vier Frauen in den Oberrheinischen Geologischen Verein aufgenommen, davon zwei Zoologinnen. Ab 1919 kamen die ersten Geologinnen hinzu, so dass 1924 mindestens zehn Frauen unter den rd. 500 Vereinsmitgliedern waren. Aus den ersten sieben Jahrzehnten des Vereins werden 13 herausragende weibliche Mitglieder kurz vorgestellt. Auch über die Publikationen von Autorinnen in der Zeitschrift des Vereins wird berichtet. Heute hat der Oberrheinische Geologische Verein über 960 Mitglieder, davon sind knapp 9% Frauen.

Abstract

In recent years Germany has witnessed a lively public debate regarding the equality of women in society. Up to this day, women have played a marginal role in German geoscientific associations. This observation provided the impetus to investigate the situation within the Oberrheinischer Geologischer Verein („Upper Rhenish Geological Association“), founded in 1871. Maria, Countess von Linden (1869– 1936), was the first woman to join the association in 1891. In the same year she was admitted to the University of Tübingen in the kingdom of Württemberg as the first female student. After gaining her PhD in 1895, the first one of natural sciences of a woman in Germany, she was awarded the title of a professor at the University of Bonn, again the first one to be held by a woman at this university. M. v. Linden’s career shows all the typical difficulties encountered by women in society at that time, particularly in an academic environment. Until the First World War only four more women, including two zoologists, were admitted to the Oberrheinischer Geologischer Verein. After 1919 the first female geologists joined, and, as a result, in 1924 the association had at least ten women out of approximately 500 members. Thirteen outstanding female members from the first seven decades of the association will briefly be introduced in this paper. The contributions by female writers to the association’s magazine will also be discussed. Today the Oberrheinischer Geologischer Verein has more than 970 members, of which barely 9% are women.

Keywords

womengermanyupper rhenish geological associationtübingen