Field trip guide

Geologie der Schlachtfelder von Jena und Auerstedt (1806) (Exkursion A am 4. April 2002)

Bachmann, Gerhard H.; Fesser, Gerd; Schneider, Jörg W.

Kurzfassung

Am 14. Oktober 1806 kam es bei Jena und Auerstedt zu einer der größten und folgenschwersten Schlachten des 19. Jahrhunderts. Es war ein Ereignis von europäischem, von weltgeschichtlichem Rang, das sich an diesem Tag auf den Herbstfeldern Thüringens abspielte. Insgesamt standen sich etwa 130000 französische und 100000 preussische und sächsische Soldaten gegenüber. Kaiser Napoleon I. errang einen grossen Sieg. Im Verlauf der Doppelschlacht kamen 35000 preussische, sächsische und französische Soldaten ums Leben oder wurden verwundet. Die Bürger von Jena und die Bewohner vieler umliegender Dörfer hatten schwer unter Plünderungen und Zerstörungen zu leiden. Das geschlagene preussische Heer löste sich auf dem Rückzug fast völlig auf. Bereits am 25. Oktober marschierte die französische Armee in Berlin ein. Napoleon war der Herr des Kontinents. Die Schlacht selbst und ihre Folgen sind schon oft beschrieben und kommentiert worden. Diese Exkursion soll den Ereignissen des 13./14. Oktober an Ort und Stelle nachgehen. Dabei soll auch gezeigt werden, welchen entscheidenden Einfluß „Gegend und Boden“ – das „Terrain“ (Clausewitz) – auf Vorgeschichte, Verlauf und Ausgang der Schlacht hatten. Für den Feldherrn und den Grenadier war das „Terrain“ eine gegebene Tatsache. Der Geologe erkennt in ihm das Resultat der Erdgeschichte, die sich bis in unsere Tage auf die Menschheitsgeschichte auswirkt. Die Anwendung geologischer Methoden für militärische Zwecke hat als „Wehrgeologie “ (military geology) eine lange Tradition, auch in Deutschland, und ist ein Spezialgebiet der Ingenieurgeologie. Selten werden dagegen Geologie und Militärgeschichte verbunden. Dieser interdisziplinäre Ansatz soll bei dieser Exkursion verfolgt werden. Die Exkursion folgt zunächst den vorrückenden französischen Truppen in die Schlacht bei Jena, dann den preussischen Truppen in die Schlacht bei Auerstedt.

Abstract

On October 14, 1806 two of the most decisive battles of the Napoleonic wars were fought in Thuringia near Jena and Auerstedt between the armies of France and Prussia. His great victory made Emperor Napoleon I the Lord of continental Europe. The main reasons for the devastating defeat of the once-feared Prussian army were (apart from political, strategic and other blunders) the out-dated line tactics, in contrast to the modern French tirailleur (riflemen) and column tactics, and the ponderous baggage system, in contrast to the French living from the countryside. These shortcomings prevented the Prussians from taking advantage of geological and other natural obstacles and dominating positions, whereas the French army did so, much to the surprise of the Prussian commanders. This became obvious when the French advanced swiftly and unexpectedly through the mountainous region of the Paleozoic Thuringian Forest Uplift, and even more so, when they brought men, horses and cannons up to the edge of the high Muschelkalk plateau (Triassic) overlooking the Saale river. There they took risky, but commanding positions on Muschelkalk hills, from which they launched decisive attacks onto the Prussian lines near the villages of Vierzehnheiligen and Hassenhausen. Another example of the inability (or unwillingness) to consider, and to take advantage of, geological obstacles was the last Prussian counter-attack near Kapellendorf, which failed in front of the uphill French positions on the Muschelkalk plateau.

Keywords

geologybattlefieldjenamuschelkalktriassicauerstedtthuringiagermany