Obituary

Nachruf auf Artur Roll

Reiff, Winfried

Kurzfassung

357 Jber. Mitt. oberrhein. geol. Ver., N. F. 89, 357–364, 1 Abb., Stgt. 10. 4. 2007 Artur Roll *5. 11. 1907 – †9. 4. 2005 Am 9. April 2005 starb im Alter von 97 Jahren der ehemalige Direktor der Gewerkschaft Elwerath Dr. Dr. h. c. Artur Roll. Seine Kollegen Dr. Helmut Fahrion und Dr. Edwin Koch haben in Gmit 2005 einen kurzen und im Nachrichtenblatt zur Geschichte der Geowissenschaften 2006 einen ausführlichen Nachruf auf den Verstorbenen veröffentlicht, in dem jeweils das Schwergewicht auf seiner erfolgreichen Tätigkeit als „Erdölgeologe“ liegt. Hier soll besonders sein Verdienst und seine Bedeutung für die Erforschung des Schwäbischen Jura gewürdigt werden. Roll wurde schon 1929 als Student Mitglied des Oberrheinischen Geologischen Vereins, dem er bis zu seiner Pensionierung treu blieb. Artur Alfred Roll wurde am 5. November 1907 im württembergischen Städtchen Altensteig geboren. Nach dem Eintrag im Standesamt hätte er seinen Namen eigentlich mit „H“ schreiben müssen. Sein V ater Johann Georg Roll war Reallehrer, später Oberreallehrer, seine Mutter Emma Auguste Roll, geborene Leibfried, war die Tochter eines Fabrikanten in Sindelfingen. Im Oktober 1913 zog die Familie nach Tübingen. Jahresberichte 358 Artur Roll legte nach dem Besuch des Gymnasiums in Tübingen im März 1925 die Reifeprüfung ab. Er schrieb sich umgehend für das Sommersemester 1925 an der dortigen Universität als Student der Naturwissenschaften ein. Schwerpunkte waren Geologie und Paläontologie. Unterbrochen von Studiensemestern an den Universitäten München (WS 26/27) und Berlin (WS 27/28) kehrte er nach Tübingen zurück und promovierte dort 1930 bei dem damaligen, menschlich und fachlich herausragenden Ordinarius für Geologie und Paläontologie Prof. Dr. Edwin Hennig mit der Note „sehr gut“ zum Dr. rer. nat. Das Thema seiner Dissertation lautete: „Die Stratigraphie des Oberen Malm im Lauchertgebiet (Schw. Alb) als Unterlage für tektonische Untersuchungen. “ Sie wurde ein Jahr später in den Abhandlungen der Preußischen Geologischen Landesanstalt veröffentlicht. Es ist erstaunlich, welchen Reichtum an InformationenRoll in der kurzen Zeit gewonnen hat, die ihm für Studium, für Geländeuntersuchungen mit zahlreichen Profilaufnahmen, Fossilaufsammlungen und Fertigstellung der Arbeit zur Verfügung stand. Das eigentliche Ziel der Arbeit war es, die T ektonik des Lauchertgebiets zu klären. Dazu waren umfangreiche stratigraphische Untersuchungen nötig. Die Gliederung der geschichteten und der zoogenen Fazies war dafür ausschlaggebend. Roll löste sich weitgehend von der damals noch nicht ganz außer Gebrauch gekommenen Quenstedtschen Benennung in für die zoogene und für die geschichtete Fazies. Er unterteilte diese Einheiten nach Leitfossilien, die dafür Namen gebend wurden. Seine scharfe Beobachtungsgabe führte zu Ansichten über das Verhältnis von geschichteter zu zoogener Fazies im Weißjura, die sich lange Zeit hielten. Die geschichtete Fazies (Bankkalke und Zementmergel) wertete er als Einlagerungen in die zwischen der zoogenen Fazies (Massenkalk) gebildeten Hohlformen, die er als Mulden bezeichnete. Den schon damals tektonischen Gegebenheiten zugeordneten Begriff „Mulde“ ersetzte er später durch „Schüssel“ (Roll 1933). Roll machte auch klar, dass Schwämme im Gegensatz zu den Korallen keine Riffe bilden können, weshalb der im Schwäbischen gebräuchliche Begriff Stotzen angebrachter wäre. Er betrachtete die Entwicklung der zoogenen Fazies mit dem Ende der Zementmergelzeit als abgeschlossen, was zu einer ebenen Oberfläche des Massenkalks geführt habe, auf der die Hangen den Bankkalke abgelagert wurden. Diese Vorstellung bildete die Grundlage für den Entwurf einer Streichlinienkarte. Die hervorragende und in mancher Hinsicht wegweisende Dissertation kann hier nicht im Einzelnen erläutert werden. Sie war aber Ausgangspunkt für weitere ForschungenRolls und – wie später gezeigt wird – einer großen Zahl von Untersuchungen im Jura der Schwäbischen Alb. Von April 1930 bis Ende Juni 1934 arbeiteteArtur Roll als Assistent am Geologisch -Paläontologischen Institut in Tübingen. Er betreute die umfangreiche Sammlung des Instituts und assistierte bei Vorlesungen, Übungen und Exkursionen, wobei ihm seine pädagogische Begabung zustatten kam. Nebenbei dehnte er seine Forschungen auf die Fränkische Alb aus. Am 6. 6. 1935 habilitierte sich Artur Roll mit der Arbeit: „T ektonische Bemerkungen zu einer geologischen Karte der südlichen Frankenalb. “ Sie wurde