Field trip guide

Pleistozäne und holozäne Morphogenese der Insel Hiddensee (Exkursion K am 14. April 2012)

Kenzler, Michael; Deutschmann, André

Kurzfassung

Die sich in N–S-Richtung erstreckende Insel Hiddensee liegt westlich vor der Insel Rügen. Sie setzt sich aus einem nördlich gelegenen, pleistozänen Inselkern, dem Dornbusch, und holozänen Bildungen im mittleren und südlichen Bereich zusammen. Die morphologische Entwicklungsgeschichte wurde maßgeblich geprägt durch das skandinavische Inlandeis des Weichselglazials und durch den postpleistozänen Meeresspiegelanstieg im Verlauf des Holozäns (Katzung 2004). An der Erdoberfläche sind auf Hiddensee ausschließlich quartäre Ablagerungen aufgeschlossen. Die Basis des Quartärs reicht bis in eine Teufe zwischen 50–70 m u. NN. Im Liegenden folgen unter Ausfall des Paläogens und des Neogens Sedimente des Untermaastrichts in Schreibkreide-Fazies. Der Hiatus zwischen Quartär und Kreide beträgt ca. 65 Millionen Jahre, wobei dieser Zeitraum zum größten Teil Festlandperioden in diesem Gebiet darstellt. Im Laufe des Pleistozäns erfolgten wiederholte Vorstöße des Skandinavischen Inlandeises, welches glaziale (stadiale) und interglaziale (interstadiale) Sedimente im Raum Hiddensee ablagerte (Möbus 2000). Der Dornbusch selbst ist Teil einer Stauchendmoräne, welche sich im Verlauf des Mecklenburger Stadiums (Weichsel-Glazial) durch eine Richtung Südosten vorrückende Gletscherzunge herausbildete (Möbus 2004). Der bis zu 72, 5 m ü. NN hohe Dornbusch weist besonders in seinen nordwestlichen und nördlichen Bereichen eine vier Kilometer lange, durch Abrasion geprägte Küste auf. Hier kommt es zum Rückschnitt des Steilufers zwischen 20 bis 70 cm pro Jahr. Der mittlere und südliche Bereich Hiddensees besteht hingegen aus holozänen Ablagerungen. Die Exkursion zeigt Aufschlüsse, an denen sich sowohl abradierende als auch sedimentierende Kräfte hervorragend studieren lassen.

Keywords

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