Original paper

Steine erzählen Straubinger Stadtgeschichte. Kulturgeologie wichtiger Bauten und Denkmäler in der historischen „Neustadt“ von Straubing (Exkursion A am 18. April 2017)

[Dimension and decorative stones are teaching Straubing´s history. A walk to important buildings and monuments in the historic “new town” under the aspects of cultural geology]

Lehrberger, Gerhard; Schäfer, Werner; Krenn, Dorit-Maria

Kurzfassung

Die Verwendung von Stein als Baumaterial ist ein städtisches Attribut, das einerseits aus Brandschutzgründen in Folge großer Stadtbrände eingeführt wurde, andererseits zeigt es das Streben der geistlichen wie der weltlichen Obrigkeit sowie wohlhabender Bürger nach prunkvoller Selbstdarstellung und Unvergänglichkeit. Die Gesteine erzählen neben der Geschichte ihrer Bearbeitung und der Geschichte des individuellen Objektes auch ein Kapitel Erdgeschichte, die naturgemäß in die „tiefe Vergangenheit“ zurückreicht. In Straubing ist somit schwerpunktmäßig ein Großteil der erdgeschichtlichen Entwicklung seit der variszischen Gebirgsbildung vor 340 Mio. Jahren bis in die jüngste Epoche der Eiszeiten präsent. Bezieht man die modernen Dekorgesteine aus aller Welt ein, reicht die Geschichte gar über eine Milliarde Jahre zurück. Straubing ist im wahrsten Sinne des Wortes im Kern eine Ziegelstadt, denn die üppigen Lösslehm-Vorkommen vor allem im Süden der Stadt ermöglichten die Produktion von keramischen Produkten wie Töpferwaren, Mauer- und Dachziegel bis in die heutigen Tage. An vielen Gebäuden wurden aber Natursteine als Bauzier verwendet. Die Brunnen und Denkmäler bestehen oft aus weichem Kalkstein oder Sandstein, während die Pflaster aus Gründen der mechanischen Beständigkeit aus hartem Naturstein wie Granit, Diorit oder Quarzit bestehen. Trotz der Lage in der natursteinlosen Regensburg–Straubinger Senke, dem Gäuboden, finden sich in Straubing seit der Römerzeit hervorragende Beispiele für die Verwendung von Naturstein. Der Rundgang durch die auf eine wittelsbachische Gründung im Jahr 1218 zurückgehende Innenstadt und zu ausgewählten Objekten im Zentrumsbereich zeigt die Vielfalt von Anwendungen und Gesteinsarten. Die Donau als Transportweg spielte bis zur Mitte des 19. Jh. die entscheidende Rolle für die Verfügbarkeit von Gesteinen. Danach kamen mit der Eisenbahn auch Gesteine aus entfernteren Gegenden Bayerns hinzu. Exotische Gesteine weltweiter Provenienz werden wie in allen Städten in jüngster Vergangenheit verwendet.

Abstract

The usage of decorative and dimension stones is an urban attribute as a consequence of big fires and the attempt to avoid them, on the other hand it is an expression of the wish of the civil and sacral leaders as well as the wealthy citizens for an eternal and representative self presentation. Straubing is in fact a brick town based on rich loess loam deposits, especially in the Southern part of the town. This enabled the people here to produce ceramic products since the ancient times. Besides this fact, many houses show natural stones as decorative elements. Fountains and monuments often consist of dimension stones and for the pavement of the streets mechanically strong cobble stones had to be used. Despite the fact that Straubing is situated in the absolutely stone-free Regensburg –Straubing flat, the socalled “Gäuboden”, excellent examples of natural stone objects can be found, representing all periods from Roman times onwards. The city excursion through the town center and the observations at selected objects in the central area of Straubing show the rich diversity of natural stones. The river Danube enabled the transport of stones on a far larger than only regional scale. The best examples are red polished limestones from the Salzburg region in Austria. With the railway connections from the second half of the 19th century onwards imports of stones were possible and finally led to the modern stone applications with material from all over the world.

Keywords

NaturwerksteinKulturgeologieKunstdenkmälerDimension stonescultural geologyart monuments