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Biozönologische Typisierung von Augewässern des Donauraums Straubing anhand von Makroinvertebratengemeinschaften

Foeckler, F.; Orendt, C.; Burmeister, E. G.

Large Rivers Vol. 9 No. 3-4 (1996), p. 229 - 308

90 references

published: Feb 12, 1996

DOI: 10.1127/lr/9/1996/229

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ArtNo. ESP142010103001, Price: 29.00 €

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Kurzfassung

Aquatische Makroinvertebraten finden in der Gewässerüberwachung als Indikatoren weite Verbreitung (z. B. Sladecek1973, Schmedtje & Kohmann 1992, Saether 1979, Mauch et al. 1990). Dies erklärt sich aus der Tatsache, daß diese Tiere in einem Areal in relativ konstanten Habitaten gefunden werden. Oft ist aufgrund ihrer Präferenz sogar eine Typisierung dieser Habitate möglich, besonders bei Fließgewässern (Illies 1961 a, Braukmann 1987). Die hydrodynamischen Prozesse in potamalen Regionen von Fließgewässern greifen prägend in das Bild und das Gefüge ihrer näheren Umgebung, der Aue, ein. Dabei entstehen vielfältige Lebensräume, die räumlich und zeitlich unterschiedlich von der Limnofauna besiedelt werden und die Biotopmosaike in einem weitreichenden Komplex darstellen. Aquatische Makroinvertebraten können dabei als funktionelle Beschreiber (Castella et al. 1986, Castella & Amoros 1988) dienen. Verschiedentlich ist eine Typisierung von Augewässern anhand von Makroinvertebratengemeinschaften durchgeführt worden (z. B. Richardot-Coulet et al. 1987; Castella 1987; Foeckler 1990a; Foeckler et al. 1994a, b, 1995; Imhof et al. 1992; Wariner et al. 1992; Anderwald & Waringer 1993). Dabei stellte sich heraus, daß zwar durchaus typische Lebensgemeinschaften bestimmter Lebensräume lokal zu beschreiben waren, jedoch nicht regional übergreifende (Foeckler et al. 1991). Die vorliegende Arbeit schließt sich an die Charakterisierung von Augewässern des Donauraums Straubing an, die anhand von Wassermolluskengemeinschaften typisiert worden waren (Foeckler 1990a). Zum selben Zeitpunkt der Aufsammlung der Wassermollusken wurden weitere Wasserwirbellose erfaßt, die bisher jedoch weder in die Auswertung eingeflossen noch veröffentlicht worden waren. Diese Lücke wird an dieser Stelle geschlossen. Zu der vorliegenden weiterführenden Auswertung der bereits im Rahmen der von Siebeck & Foeckler (1986) im Auftrag des Bayerischen Landesamtes für Umweltschutz, München, und der Rhein-Main-Donau AG bearbeiteten Studie gesammelten Daten hat wiederum das Bayerische Landesamt für Umweltschutz, München, finanziell beigetragen (Foeckler et al. 1994c). Die Hauptfrage lautet, ob die Typisierung, die allein anhand der Wassermolluskengemeinschaften gefunden wurde, sich mit Vertretern der weiteren nachgewiesenen Organismengruppen bestätigen lassen oder ob dieAnalyse womöglich zu einem anderen, u. U. differenzierteren Typisierungsergebnis kommt, wie es im Falle der Untersuchung von Altwässern der Salzachaue gelang (Foeckler et al. 1994a, b, 1995). Als Ergänzung wird versucht, ob eine Auswertung nur anhand von Wasserkäfern sinnvolle Typisierungsergebnisse liefern kann. Bei der Analyse wird dabei analog Foeckler (1990a) vorgegangen. Anschließend soll die Vergleichbarkeit der Ergebnisse mit den Typisierungen anderer Untersuchungen geprüft werden. Eine Artenliste aller im Untersuchungsgebiet nachgewiesenen Taxa (einschließlich in den Bergbächen des angrenzenden Bayerischen Waldes, die nicht in die Auswertung eingehen) soll die Ergebnisse vervollständigen. Zuletzt schließt sich diese Arbeit auch an die naturschutzfachliche Bewertung des Donauraumes Straubing an, die bereits empirisch naturschutzfachlich aufgrund umfangreicher zoologischer und vegetationaskundlicher Daten (OAG 1986), limnologisch (Siebeck & Foeckler 1986) und auf die oben angesprochene Charakterisierung anhand der Wassermollusken (s. Foeckler 1990a, b) behandelt wurde. Vorliegend wird ebenfalls die naturschutzfachliche Bewertung um weitere Tiergruppen ergänzt, überprüft und mit der anhand der Wassermollusken vorgenommenen verglichen. Hohe Aktualität gewinnen die vorliegenden Datendurch die Tatsache, daß 10 Jahre nach ihrer Aufnahme im Jahr 1994 das Untersuchungsgebiet kurz vor der Inbetriebnahme der Stauhaltung Straubing als Teilstück des Rhein-Main-Donau-Kanals steht. Dieser Einstau bewirkt eine völlige Veränderung der auetypischen Standortfaktoren, was zum Verlust der Lebensräume vieler gefährdeter Tier- und Pflanzenarten und zur Unterbrechung der Durchgängigkeit der Donau führt, und ist demnach sowohl ökologisch als auch naturschutzfachlich stark in Frage zu stellen (vgl. Weiger 1993). Hinzu kommt die neuerliche Diskussion um den Ausbau der Donau zwischen Straubing und Vilshofen. Viele der hier dargelegten Befunde lassen sich vermutlich auf den genannten Abschnitt unterhalb Straubing übertragen und unterstreichen somit dessen ökologischen und naturschutzfachlichen Wert, was durch bereits vorliegende Ergebnisse (vgl. Planungsbüro Schaller 1992) bestätigt wird.

Keywords

MakroinvertebratenHabitatAugewässerWassermolluskenDonauStraubing