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Integrierte pflanzensoziologische synusiale Methode und Untersuchung der Dynamik der Auenwälder der Schweiz

Roulier, Christia; Werffeli, Béatrice

Large Rivers Vol. 9 No. 3-4 (1996), p. 357 - 365

13 references

published: Feb 12, 1996

DOI: 10.1127/lr/9/1996/357

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ArtNo. ESP142010103009, Price: 29.00 €

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Kurzfassung

Diese Arbeit dient dem Ziel, die synusiale Methode im Rahmen der Untersuchungen der Dynamik der Auenwälder vorzustellen. Auf Grund des gegenwärtigen Standes der Arbeiten wird der wissenschaftliche Inhalt als provisorisch betrachtet. In der Schweiz hat die Kartierung der Auengebiete von nationaler Bedeutung (das Inventar enthält 169 Objekte mit einer Fläche von 11022 Hektar) die Erstellung einer vollständigen pflanzensoziologischen Bilanz des vegetationskundlichen Zustandes der gegenwärtigen Auen ermöglicht, der mit der Situation der 50er Jahre verglichen werden kann. Die pflanzensoziologischen Aufnahmen, die zur Ausarbeitung des Kartierungs-Schlüssels benützt werden, wurden nach der klassischen Methode (Braun-Blanquet 1964) durchgeführt. Es sei daran erinnert, daß diese Methode die Pflanzengesellschaft als Individuum und somit als elementare Einheit betrachtet. So können in Form einer einzigen Vegetationserhebung Bäume, Sträucher, Kräuter und manchmal Moose erfaßt werden. Die Analyse der pflanzensoziologischen Aufnahmen hat eine häufige floristische Verschiebung innerhalb des Auenwaldes aufgezeigt. Dieses Phänomen macht sich dadurch bemerkbar, daß innerhalb eines bestimmten Gehölzbestandes (z. B. Weidenwald) Arten auftreten, die an die nächsten Stadien der Entwicklungsserie gebunden sind, wie die Arten des Eschenwaldes, sogar des Buchenwaldes (Gallandat et al. 1993). Der Befund der floristischen Verschiebung stellte im Rahmen der Vegetationskartierung eine besondere Schwierigkeit dar. Es mußten verarmte Varianten, trockene Varianten und sogar neue Vegetationseinheiten definiert werden. Die floristische Verschiebung wird auf eine Beeinträchtigung der Biotope zurückgeführt: Eindämmung der Gewässer, Verminderung der Wassermengen durch die Wasserwirtschaft oder Senkung des Flußbettes durch Ausbaggerung. Verschiedene Autoren haben die jüngste Veränderung der Auenbereiche beschrieben, namentlich Pautou (1984) im Rhône-Einzugsgebiet, Phillipi (1984) und Carbiener & Schnitzler (1988) im Rhein-Einzugsgebiet. Wahrscheinlich treten auch floristische Verschiebungen aus natürlichen Gründen auf: normale Eintiefung des Bettes, Veränderung des Wasserlaufes. Der Übergang von einer Auenwald-Vegetation zu einer Vegetation, die zu einer Klimax tendiert, wickelt sich wahrscheinlich in aufeinanderfolgenden Stufen ab, die mit der Trägheit (Resistenz) der verschiedenen Schichten des Waldes gegenüber der Beeinträchtigung verbunden sind (Chalamont 1989, Bravard et al. 1986). Diese Resistenz verändert sich im Laufe mehrerer Jahrzehnte (Baumschichten), einiger Jahre (Krautschichten), sogar einiger Monate (Moosschichten). Die Abb. 1 stellt schematisch die Veränderung eines Erlenwaldes in einem Klimax-nahen Wald dar. Es wurden die Zeitskala (horizontale Achse) und die verschiedenen Schichten des Waldes (vertikale Achse) eingefügt. Ein Erlenwald bildet im allgemeinen eine Phytozönose mit 2 oder 3 Schichten. Es wird angenommen, daß nach einer Beeinträchtigung neue Pflanzengemeinschaften in der Reihenfolge M H B A (Abb. 1) auftreten und daß die Veränderung der Phytozönose sich über 50 bis 100 Jahre erstreckt. Zwischen dem typischen Erlen und Buchenwald folgen mehrere Waldtypen aufeinander, die durch eine floristische Verschiebung charakterisiert sind.

Keywords

PflanzensoziologieAuenwälderBaumschichtenMoosschichtenSchweiz