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Flußdynamik und Wasserkraft - ein Widerspruch?

[Fluvial dynamics and w ater power - a contradiction?]

Hack, Hans-Peter

Large Rivers Vol. 9 No. 3-4 (1996), p. 629 - 635

4 references

published: Feb 12, 1996

DOI: 10.1127/lr/9/1996/629

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ArtNo. ESP142010103019, Price: 29.00 €

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Kurzfassung

Es scheint an unserer Zeit zu liegen, daß wir vielerorts den Verlust des letzten Restes Natur zu beklagen haben. Daß dies auch und gerade auf die Flußauen zutrifft, haben wir im Verlauf der Tagung mehrfach gehört. So sind die Auwaldverluste zivilisationsbedingt zu erklären. Wegen unserer Forderung nach Hochwasserschutz wurden die Flüsse durch Hochwasserdämme eingedeicht, wobei die Auwälder meist landseits der Dämme verbleiben und dadurch vom Flußlauf getrennt werden. Damit verschwindet die direkte Verbindung des Wasserstandes zwischen der Flußaue und dem Hauptfluß. Die Wasserstandsschwankungen in den Auen entfallen weitgehend, womit ein Teil der Dynamik dieses Lebensraumes verlorengeht. Ähnlich der Schwankungen der Wasserstände verhält sich der Feststoffhaushalt. Durch Begradigung und Uferbesteigung wird die Seitenerosion, eine für die Funktionstüchtigkeit der Flußauen wichtige Eigenschaft der Flüsse, verhindert. Umlagerungen des Flußbettes sind dann nicht mehr möglich, womit ein weiterer Teil der Flußdynamik verschwindet. Durch die Konzentration des Abflusses auf ein begradigtes Hauptgerinne erhöhen sich die Fließgeschwindigkeiten und damit auch die Sohlschubspannungen. Erosionsempfindliche Flußsohlen reagieren mit Eintiefung, die im Laufe der Zeit den Grundwasserspiegel absinken läßt, so daß die Auwälder auch noch austrocknen und wieder ein Teil der Flußdynamik verschwindet. Abhilfe gegen das Absinken der Wasserstände und des Grundwassers sucht man im Aufstau des Wassers durch Wehre und Stauhaltungen zu finden. Es liegt nahe, das mit dem Aufstau gewonnene Gefälle energetisch mit einem Wasserkraftwerk zu nutzen. Doch ist damit auch die für die Wirkungsweise der Auwälder so wichtige Flußdynamik wieder hergestellt? Inwieweit verträgt sie sich als sogenanntes "Eigenleben eines Flusses" mit den Anforderungen unserer Zivilisation und Technik, die alles kalkulierbar sehen will? Auch die Wasserkraft hat ihren Anforderungen gerecht zu werden. Das bedeutet auch, daß der Hochwasserschutz zu gewährleisten und die feste Lage der Flußufer zu sichern ist. Ein Ausufern des Flusses ist deshalb normalerweise nicht in den Planungszielen des Wasserkraftausbaues enthalten. Damit die Flußdynamik wieder geschaffen werden kann, sind weitere Planvorgaben erforderlich, die nicht in der Technik, sondern vielmehr mit dem biologischen Wirkungsgefüge unserer Umwelt zu begründen sind. Es muß daher nach neuen Bauweisen gesucht werden, die diesen Vorgaben genügen.

Keywords

FlußdynamikWasserkraftHochwasserschutzWehreGrundwasserAuwälder