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Umfang von Umweltverträglichkeitsstudien in Auengebieten: Studie Fauna und Flora

[Extent of empatibility studies in floodplains, in particular: fauna and flora]

Frank, C.; Asang-Soergel, R.; Teiwes, A.

Large Rivers Vol. 9 No. 3-4 (1996), p. 565 - 572

13 references

published: Feb 12, 1996

DOI: 10.1127/lr/9/1996/565

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ArtNo. ESP142010103015, Price: 29.00 €

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Kurzfassung

Auen sind ökologisch bedeutsame Gebiete. Neben ihrer herausragenden Bedeutung für den Hochwasserschutz sind sie Standorte von seltenen Tier- und Pflanzenarten. Die Aue und die Auengewässer bilden gemeinsam ein Ökosystem (engl. floodplain): Die Bedrohung des einen führt automatisch zur Bedrohung des anderen Lebensraums. Bereits im Mittelalter begannen die landwirtschaftliche Nutzung der Talauen und die Begradigung der Bäche. Seit dem 18. und 19. Jahrhundert wurden die Ströme konsequent begradigt und zum Teil eingedeicht. Im vergangenen Jahrhundert wurden Rhein, Main und Weser zu Schiffahrtsstraßen ausgebaut. Sowohl die Abtrennung der Auen vom Fluß und die Verbauung der Ufer wie auch die später hinzukommenden giftigen Industrieabwässer bewirkten eine erhebliche Faunenzerstörung (Fittkau & Reiss1983). Ein wesentliches Merkmal der Aue ist die räumliche und zeitliche Arten- und Strukturvielfalt. So ist es nicht zuletzt die Standort-Dynamik, die der Diversität Dauer und Stabilität verleiht. Nach Gerken (1988) liegt die Bedeutung der Auen zum einen in der Möglichkeit der Ausbreitung von Tieren und Pflanzen. Zum anderen ist die Aue auch für den Menschen immer ein bevorzugter Siedlungs- und Ausbreitungsraum gewesen. Daneben haben die Auen klimaregulierende Funktion und wirken sich positiv auf die Wasserqualität aus (natürliche Selbstreinigungsstrecke). Sie sind wesentliche Glieder eines umfassenden Schutz- und Speisungsgebietes für den Grundwasserstrom und -bestand der Talsenken (Trinkwasserversorgung). Auen wirken entscheidend mit bei der Begrenzung der Erosion und dem Schutz vor katastrophalen Hochwasserereignissen. Nicht zuletzt sind Auen Schwerpunkträume für den Artenschutz (Gerken 1988). Auch das UNESCO-Programm MAB (Man And The Biosphere), das in den 70er Jahren begründet wurde, befaßt sich mit der Auen-Problematik (MAB 1990). Die Bedeutung der Auen kommt ebenfalls in den Gewässerauenprogrammen der verschiedenen Bundesländer zum Ausdruck (NRW Ems/Lippe, Integriertes Rheinprogramm und Flußlandschaft Donau Baden-Württemberg) (Hübner & Tara 1991, Kierchner 1991, Ministerium für Umwelt, 1990a, b). Neuere Arbeiten (Loske et al. 1993, Volk, 1994) betonen die Notwendigkeit einer gesicherten Bewertung im Rahmen landschaftsökologischer Fragestellungen. Die Arbeitsgruppe des Laboratoriums für angewandte Biologie und Ökologie hat beispielhaft für ein 400 ha umfassendes Gebiet den Umfang einer UVS in Auengebieten erarbeitet, als Beitrag zum Schutz und zur Erhaltung der Aue und Auengewässer. Das Umweltverträglichkeitsprüfungsgesetz schreibt für Vorhaben und Maßnahmen mit erheblichem Einfluß auf Naturhaushalt und Lanschaftsbild eine Umweltverträglichkeitsprüfung (UVP) vor. Um über die Umweltverträglichkeit von Maßnahmen abwägende Aussagen treffen zu können, müssen die wesentlichen Komponenten der komplexen Sachverhalte (z. B. Nutzung, Boden, Flora und Fauna) herausgearbeitet werden. Für eine ökologische Beschreibung und naturschutzfachliche Bewertung der Auenbereiche müssen detaillierte Kenntnisse über Tier- und Pflanzenarten und deren ökologische Ansprüche sowie über die ökosystemaren Zusammenhänge vorhanden sein. Fauna und Flora als Teile des Naturhaushaltes lassen sich mit Hilfe ausgewählter Parameter, sog. Indikatoren, darstellen und einer Quantifizierung zugänglich machen. Da in vielen Fällen keine aktuellen Erhebungen vorliegen, sind ökologische Untersuchungen durchzuführen. Entsprechend den Gegebenheiten des Untersuchungsgebiets sowie der geplanten Maßnahme sind Tiergruppen und Pflanzen auszuwählen. Im folgenden soll am Beispiel der UVS zum Wasserschutzgebiet "Rote Wand" (Ulm, Wiblingen) der mögliche Untersuchungsumfang dargestellt werden.

Keywords

AuengebieteÖkosystemWasserqualitätTrinkwasserversorgungUNESCO