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Bedeutung der Hechtgräben für den Naturhaushalt der Oberweserniederung - ein Beispiel für den verkannten Wert von Kleinstrukturen in Naturschutz und Landschaftsplanung

["Hechtgräben" as an important element of nature in Weser floodplain - an example of the often ignored value of smaller habitats in landscape management]

Dörfer, Karsten

Large Rivers Vol. 9 No. 3-4 (1996), p. 545 - 563

37 references

published: Feb 12, 1996

DOI: 10.1127/lr/9/1996/545

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Kurzfassung

Obwohl Erkenntnisse über ökosystemare Wechselwirkungen und mögliche Konsequenzen für die Naturschutzpraxis in der einschlägigen Fachliteratur ausführlich und fortlaufend dargestellt wurden und werden (z. B. Begon et al. 1990, Mader 1985, Jedicke 1990, Blab 1992), wird bei Planungsverantwortlichen und Betroffenen noch immer zu wenig in Zusammenhängen gedacht, geschweige denn adäquat gehandelt. Dies gilt nicht selten sogar für Naturschutzbehörden und für die an Planungsverfahren beteiligten "anerkannten Naturschutzverbände". In der Landschaftsplanung, vor allem aber in der Realisation wird zu oft auch heute noch der herkömmliche Weg beschritten: Landschaftsökologische Abhängigkeiten und Wirkungsgefüge bleiben mehr oder weniger unberücksichtigt. Flickwerkartig werden Einzelteile der Landschaft bestimmten Nutzungsprioritäten untergeordnet (z. B. in Raumordnungsplänen), zwangsläufig ohne der jeweiligen ökologischen, ökonomischen und sonstigen Multifunktionalität gerecht zu werden. Das zugeordnete Nutzungsziel, z. B. Bebauung, Rohstoffgewinnung oder Naturschutz, dominiert so stark, daß andere Funktionen oft völlig unterdrückt oder gar außer Kraft gesetzt werden. Konsequenterweise beschränkt sich Naturschutz dann häufig darauf, aufgrund des Arteninventars sogenannte wertvolle Gebiete ausfindig zu machen, die schließlich durch Einordnung in eine bestimmte Schutzkategorie und ggf. "Pflege" im vorgefundenen Zustand konserviert werden, tatsächlich aber ihre reale Funktion bei verändertem landschaftlichen Kontext ebensowenig wahren können wie, selbst bei aufwendigster Pflege, ihren status quo. Wie entkommt man diesem Desaster? Wenn der ökologische und funktionelle Zusammenhang wegen veränderter Nutzungsansprüche schon nicht völlig erhalten bleiben kann, dann muß wenigstens der Wert hierfür bislang immer noch unterschätzter (Argumente: zu klein, zu wenig Rote Liste-Arten etc.) kleinflächiger Landschaftselemente viel stärker in die Praxis Eingang finden. Dies geschieht - trotz ermutigender Ansätze in den letzten Jahren (Hecken, Raine, Obstwiesen usw.) - noch immer viel zu wenig und viel zu pauschal auf bestimmte Kategorien (Hecken,. ..) beschränkt.

Keywords

HechtgräbenNaturschutzLandschaftsökologieRote ListeOberweser