Original paper

Beiträge zur Verbesserung der Auendynamik einer ausgeräumten Flußlandschaft. Erfahrungen mit der Umsetzung von Regenerationsmaßnahmen und erste Ergebnisse der wissenschaftlichen Erfolgskontrolle aus dem Erprobungs- und Entwicklungsvorhaben "Oberweserniederung"

[Contribution to improve the dynamics of a typical river landscape]

Böwingloh, F.; Dörfer, K.; Leushacke, Ch.; Böttcher, H.; Gerken, B.; Russkamp, P.

Large Rivers Vol. 9 No. 3-4 (1996), p. 525 - 544

12 references

published: Feb 12, 1996

DOI: 10.1127/lr/9/1996/525

BibTeX file

ArtNo. ESP142010103029, Price: 29.00 €

Download preview PDF Buy as PDF

Kurzfassung

Die Oberweserniederung ist eine sehr stark genutzte, im ökologischen Sinne für Mitteleuropa typische Landschaft mit ländlichem Charakter. Das Flußbett der Weser wird trotz der geringen Bedeutung für die Schiffahrt weiterhin als Bundeswasserstraße mit allen negativen Auswirkungen auf auendynamische Vorgänge unterhalten. Der Verlauf des Flusses wird im Gegensatz zu vielen anderen großen Flüssen nur in Ausnahmefällen von Hochwasserschutzdämmen begleitet, so daß er besonders im Winterhalbjahr schon bei leichten Hochwässern über die Ufer tritt und räumlich noch große Teile der ursprünglichen Flußniederung erreichen kann. In dieser Zeit sorgt das Hochwasser großflächig für auentypische Umlagerungsprozesse und läßt eine Landschaft mit weitverzweigten Flußarmen, Inseln, Flutrinnen und Kleingewässern entstehen, die zuweilen nach dem Abklingen eines Hochwassers noch wochenlang erhalten bleibt, meist aber durch die landwirtschaftliche Nutzung schnell wieder überprägt wird (Gerken 1988, 1995, Gerken et al. 1995). Dennoch haben sich trotz der seit Jahrhunderten bestehenden Belastung durch Flußregulierung und menschliche Nutzungsintensivierung einige auentypische Reststandorte erhalten können (Böttcher et al. 1991 a, 1993, Arbeitsgruppe Auenökologie 1991). Ausgehend von diesen Reststandorten, unter besonderer Betrachtung der noch großflächig vorhandenen Hochwasserdynamik, bietet sich hier eine Bundeswasserstraße mit ihrer ausgedehnten Niederung für eine modellhafte ökologische Regeneration an. Die Projektgruppe Weserniederung der Universität-GH Paderborn, Abt. Höxter, unter der Leitung von Prof. Dr. B. Gerken und Prof. H. Böttcher versucht nun seit 1988 in Zusammenarbeit mit Landkreisen, Kommunen und Vereinen im Rahmen eines Erprobungs- und Entwicklungsvorhabens des Bundesamtes für Naturschutz (BfN), modellhafte Gestaltungs- und Pflegemaßnahmen für ausgewählte auentypische Reststandorte zu entwickeln und umzusetzen. Die zu entwickelnden Maßnahmen sollen hier als aktive, praxisnahe Handlungsanweisung in Form einer Initialzündung zur Wiederbelebung und Verbesserung der Auendynamik einer ausgeräumten Flußlandschaft verstanden und einer langjährigen wissenschaftlichen Erfolgskontrolle unterzogen werden. Nach Beendigung einer zweijährigen Voruntersuchungsphase (vgl. Gerken et al. 1991, Dörfer et al. 1995, Gerken et al. 1992) befindet sich das Gesamtvorhaben nun in einer fünfjährigen Umsetzungsphase mit wissenschaftlicher Erfolgskontrolle der durchgeführten Maßnahmen. Zwei Regenerationsvorhaben konnten bereits abgeschlossen werden, bei zwei weiteren ist die erste Bauphase abgeschlossen, die zwei anderen Vorhaben befinden sich in der Genehmigungs- und Ausführungsplanung (Stand April 1994; siehe Abb. 1). Die folgenden Ausführungen befassen sich mit den ersten Erfahrungswerten der Umsetzungspraxis einiger Regenerationsvorhaben und den ersten Ergebnissen der wissenschaftlichen Erfolgskontrolle aus dem Teilvorhaben "Weserprallhang Heiligenberg" nördlich der Stadt Bodenwerder (Süd-Niedersachsen im Landkreis Holzminden).

Keywords

AuendynamikOberweserniederungFlutrinnenRegenerationsvorhaben