Original paper

Perceiving, explaining, and observing climatic changes: An historical case study of the "year without a summer" 1816

Bodenmann, Tom; Brönnimann, Stefan; Hadorn, Gertrude Hirsch; Krüger, Tobias; Weissert, Helmut

Meteorologische Zeitschrift Vol. 20 No. 6 (2011), p. 577 - 587

published: Dec 1, 2011

DOI: 10.1127/0941-2948/2011/0288

BibTeX file

O

Open Access (paper can be downloaded for free)

Download paper for free

Abstract

The role of the "year without a summer" (YWAS) in 1816 in shaping the scientific discourse on climatic changes has been investigated in an interdisciplinary project by studying reactions of different knowledge systems to the YWAS as an initially unexplainable event. The analysis of two Swiss newspapers shows that contemporary science did not play a role in perceiving and dealing with the impacts of the YWAS on the population. Since no climate discipline of its own existed, few contemporary scientist, as we would call those men of science today, were ready to take this situation as an opportunity, reinforcing existing ideas in their domain (e.g. botany, geology, astronomy). Nevertheless, the YWAS did have impacts on science. A "call" was issued by the Swiss Natural Sciences Society shortly after the event. The work of one of the respondents became influential for the development of the ice age theory. By revealing a general lack of knowledge on climate, the YWAS might have contributed to the construction of meteorological stations at that time. Some contemporary scientists argued that the cold summer in western Europe was caused by huge masses of ice drifting in the North Atlantic. However, there were no theories that could have linked the exceptionally wet weather in Europe with a volcanic eruption on the other side of the globe. Not before the early 20th century was the YWAS linked to the Tambora eruption of 1815. After almost two centuries, the YWAS has remained a challenge and source of inspiration.

Kurzfassung

In einem interdisziplinären Projekt wurde der Frage nachgegangen, welche Rolle das ,,Jahr ohne Sommer 1816 in der wissenschaftlichen Debatte über Klimawandel gespielt hat und weiterhin spielt. Die Wahrnehmung und der Umgang der Bevölkerung damals mit den Folgen des ,,Jahres ohne Sommer war für die Wissenschaft nicht von Bedeutung, wie die Analyse der vollständigen Jahrgänge 1815-1817 von zwei Schweizer Zeitungen (NZZ, Schweizerfreund) ergeben hat. Da das Klima noch kein eigenes Forschungsgebiet war, interessierten sich nur wenige zeitgenössische Naturforscher dafür. Wenn, so wurde darin zumeist eine Bestätigung bestehender Auffassungen des jeweiligen Gebietes (Botanik, Geologie, Astronomie) gesehen. Trotzdem hatte das ,,Jahr ohne Sommer Einfluss auf die Wissenschaft. Die Allgemeine Schweizerische Gesellschaft für die gesammten Naturwissenschaften, Vorläuferorganisation der Schweizerischen Akademie der Naturwissenschaften, setzte ihre erste Preisaufgabe 1816 zu dieser Thematik aus. Eine der ausgezeichneten Antworten war für die Entwicklung der Eiszeittheorie von Bedeutung. Auch für die Errichtung meteorologischer Beobachtungsstationen dürfte das ,,Jahr ohne Sommer eine Rolle gespielt haben, da seitens der Gesellschaft beklagt wurde, dass meteorologische Daten generell fehlten. Einzelne zeitgenössische Wissenschaftler führten den kalten Sommer in Westeuropa auf grosse Eismengen zurück, die im Nordatlantik beobachtet worden waren. Hingegen fehlten Theorien, welche das ausserordentlich nasse Wetter in Europa mit der Eruption eines Vulkans auf der anderen Seite des Globus in Zusammenhang gebracht hätten. Erst im 20. Jahrhundert wurde das ,,Jahr ohne Sommer mit dem Ausbruch des Tambora 1815 verbunden. Nach beinahe zwei Jahrhunderten ist das ,,Jahr ohne Sommer eine Herausforderung und Inspirationsquelle für die Forschung geblieben.