Original paper

Untersuchungen zur Petrographie und Genese der drenthestadialen Grundmoräne im Westmünsterland (Westfälische Bucht, NW-Deutschland)

[Petrography and origin of the Drenthe stadial till in the western part of the Westphalian lowland (NW-Germany)]

Gundlach, Jens; Speetzen, Eckhard

Kurzfassung

In der Westfälischen Bucht sind Grundmoränenablagerungen weit verbreitet. Sie wurden wahrscheinlich sämtlich während der frühen Saale-Kaltzeit gebildet. Die Mächtigkeit beträgt im allgemeinen wenige Meter, steigt in einigen Bereichen allerdings auf 10 m und mehr an. Unterschiede in der Ausbildung wurden bisher als fazielle Differenzierungen einer aus einem Eisstrom abgelagerten Grundmoräne angesehen und als Basis- und Ablationsmoräne gedeutet. Im westlichen Teil der Westfälischen Bucht ist in einer Ziegeleigrube bei Coesfeld eine 9 bis 10 m mächtige, zweigeteilte Grundmoränenfolge aufgeschlossen. Nach den Ergebnissen sedimentpetrographischer Untersuchungen (insbesondere der Schwermineral - und Geschiebeführung) handelt es sich mit großer Wahrscheinlichkeit um zwei eigenständige Grundmoränen. Sie wurden von einem aus Norden kommenden Eisvorstoß und einer weiteren, aus Nordosten vordringenden Eismasse abgelagert. In einem ca. 20 km weiter im Süden bei Hausdülmen gelegenen Aufschluß ist nur eine ca. 5 m mächtige Grundmoräne ausgebildet. Sie entspricht der oberen Moräne des Coesfelder Profils. Insgesamt stellen die Moränenablagerungen Äquivalente der Drenthe-Hauptmoräne des norddeutschen Raumes dar. Der zentrale und der westliche Teil der Westfälischen Bucht scheinen noch von einem spät-drenthezeitlichen Eisvorstoß erreicht worden zu sein, wobei allerdings der Raum Coesfeld -Hausdülmen weitgehend ausgespart wurde. Ausgehend von einer mehrphasigen Vereisung der Westfälischen Bucht ergeben sich die Fragen, ob das Konzept der Basis und Ablationsmoräne zur Erklärung unterschiedlicher Moränenablagerungen uneingeschränkt Gültigkeit hat oder ob in den Bereichen mit höheren Geschiebemergelmächtigkeiten mehrere eigenständige Grundmoränen vorkommen.

Abstract

Tills are a widespread and frequent occurrence in the Westphalian lowland. These glacial sediments were probably deposited in the early Saalian glaciation (Drenthe stadial). They are generally of moderate thickness, usually a few meters, but may attain 10 m or more in a few instances. Prevailing opinion attributes differences in composition of these deposits to facies changes within ground moraines laid down by a single glacial flow and describes them as basal and ablation tills. In the western part of the Westphalian lowland near Coesfeld the exploitation of brick day has exposed a 9-10 m thick till sequence which is divided into two parts. Results of sediment-petrographical investigations, particularly of heavy mineral and pebble contents, suggest that the two layers are most probably two independent till units. These were deposited from separate glacial flows, one from the north and the other from the north-east. Another till of about 5 m thickness is exposed approx. 20 km southwards near Hausdülmen. This is the lateral equivalent of the upper till at Coesfeld. All investigated occurrences are time equivalents of the Main-Drenthe moraine of the North German plainland. The central and western parts of the Westphalian lowland, with the exception of the area Coesfeld - Hausdülmen, appear to have come under the influence of a further late Drenthe glacial flow. Based on an assumed multi-phase glaciation of the Westphalian lowland the question arise: whether the idea of a basal and ablation till as explanation for the different till deposits is valid, or whether the areas of higher boulder day thickness should rather be conceived as resulting from several independent till deposits.

Keywords

Saalian glaciationsedimentground morainesediment-petrographical