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Problematic issues of cladistics: 1. Ancestor recognition and phylogenetic classification

Reif, Wolf-Ernst

Neues Jahrbuch für Geologie und Paläontologie - Abhandlungen Band 230 Heft 1 (2003), p. 97 - 143

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published: Oct 28, 2003

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ArtNo. ESP155023001005, Price: 29.00 €

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Abstract

A reanalysis of cladistic problems leads to the following conclusions: 1) Ancestors can be recognized in the fossil record by unique combinations of plesiomorphic and apomorphic characters; they have to be studied with respect to their sister-groups. 2) With respect to the classification of fossils, synchronous and diachronous classifications have to be sharply demarcated. Linnean hierarchies can only be applied to synchronous classifications; diachronous classifications must be rank-free.

Kurzfassung

Die logische und methodologische Würdigung einiger strittiger kladistischer Positionen, die großenteils auf HENNIG (1950) zurückgehen, führt zu folgenden Resultaten: 1) Als Vorfahrentaxa kommen nur Arten in Frage. Diese können aber, im Gegensatz zu einer weit verbreiteten Meinung, durch eine nur bei ihnen vorhandene Kombination apomorpher und plesiomorpher Merkmale erkannt werden; sie sind daher als Taxa fassbar; sie sind keine undefinierbaren Phantome, die nur plesiomorphe Merkmale haben, und sie müssen im Zusammenhang mit ihrer eigenen Schwestergruppe und mit ihren Nachkommen untersucht werden. Die verfügbaren phylogenetischen Rechenprogramme, die nur mit terminalen Taxa arbeiten, können dies ohne zusätzlichen Aufwand nicht leisten. 2) Im Gegensatz z. HENNIG (1950) ist die Phylogenie eines Taxons oder der gesamten Lebewelt keine statische, hierarchisch gegliederte supraindividuelle Einheit. Phylogenie ist vielmehr ein Prozess (der statische Stammbaum ist daher eine irreführende Konstruktion!). Eine – unvermeidlich statische – Klassifikation eines höheren Taxons (Vorfahrenart und alle Nachkommen als Resultat eines phylogenetischen Prozesses) ist daher nicht ohne Weiteres möglich. Ausgestorbene Taxa können aus logischen Gründen nicht (und nicht wegen ihrer unvollständigen Erhaltung als Fossilien) widerspruchsfrei und ohne zusätzliche Konventionen in eine Klassifikation rezenter Taxa eingefügt werden. Will man rezente und fossile Taxa oder Taxa verschiedener stratigraphischer Alter ohne zusätzliche Konventionen klassifizieren, so gibt es nur zwei Möglichkeiten: a) synchrone Klassifikationen für jeden einzelnen Zeithorizont (incl. Gegenwart). Dies ist sehr aufwendig und umständlich, ermöglicht aber die Beibehaltung der Linneischen Kategorien; b) diachrone Klassifikation der ineinandergeschachtelten Clades (also jeweils Stammart und alle ihre Nachkommen). Hier muss auf die Verwendung Linneischer Kategorien verzichtet werden. Clades sind nämlich streng genommen keine höheren Taxa im Linneischen Sinne. Rangfreie Klassifikationen können durch ein Zahlensystem oder durch Einrücken klar repräsentiert werden. Sie erfüllen auch die berechtigte kladistische Forderung nach der Koordination (Rang-Gleichheit) von Schwesterclades.

Keywords

phylogeneticFossilienclassification