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Problematic issues of cladistics: 2. The Hennigian species concept

Reif, Wolf-Ernst

Neues Jahrbuch für Geologie und Paläontologie - Abhandlungen Band 231 Heft 1 (2004), p. 37 - 65

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published: Feb 2, 2004

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ArtNo. ESP155023101004, Price: 29.00 €

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Abstract

The Hennigian species concept of modern cladism (a species exists between two cladogenetic events = speciations) is no species concept (sensu stricto) at all; it does not deal with the ontology of species, but is a (one of several possible) operational condition(s) for the demarcation of species in time and for marking the terminus post quem non of a cladogenetic event. Only if each of the two populations resulting from a speciation acquire autapomorphies can they be recognized as new species at all and can the ancestral species be regarded as (pseudo)extinct. It is suggested to distinguish sharply between time-limited and time-extended species concepts.

Kurzfassung

Das Hennigsche Artkonzept des modernen Kladismus (Arten beginnen mit einer Speziation und enden mit der nächsten Speziation) ist strenggenommen überhaupt kein Artkonzept, da es ontologische Fragen nicht ausreichend beantwortet. Vielmehr ist es eine operationale Bedingung: zwei Nachkommenarten können im Fossilbericht als Taxa und in ihrer relativen Verwandtschaftsposition zueinander und zu anderen Arten nur dann erkannt werden, wenn sie unmittelbar nach dem Speziationsereignis eigene Apomorphien erwerben; und nur dann kann man von dem (Pseudo-)Aussterben der Vorfahrenart sprechen. Durch die zeitliche (stratigraphische) Abgrenzung der Nachkommenarten erhält man den terminus post quem non des Speziationsereignisses. Genfluss und genetische Isolation sind nicht die einzigen Faktoren, die die Kohärenz bzw. die Divergenz von Arten kontrollieren. Man kann daher nicht davon ausgehen, dass es nur eine objektive Methode gäbe, Vorfahrenarten von Nachkommenarten abzutrennen, und dass ontologische Probleme, die Vorfahrenarten und Nachkommenarten und ihre Beziehungen zueinander betreffen, gelöst wären. Die Diskussion zeigt, dass es unvermeidlich ist, zwischen Artkonzept ohne eine Zeitachse (time-limited species concept) und Artkonzept mit einer Zeitachse (time-extended species concept; lineage species concept) klar zu unterscheiden. Biologische Prozesse, wie die Artbildung, sind unscharf abgegrenzt. Artbildung zieht sich über viele Generationen. Man kann also nie davon ausgehen (außer in Fällen von Auto- und Allopolyploidisierung), dass der Übergang von einer Art zur Tochterart von einer Generation zur nächsten stattfindet.

Keywords

cladisticontology