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DARWIN on picking, sorting, separating, isolating, etc.: The development of his theory of natural selection

Reif, Wolf-Ernst

Neues Jahrbuch für Geologie und Paläontologie - Abhandlungen Band 240 Heft 2 (2006), p. 153 - 205

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published: Jun 21, 2006

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ArtNo. ESP155024002001, Price: 29.00 €

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Abstract

The development of Darwin’s theory of natural selection as the mechanism of adaptive evolution has never been analyzed in detail. The first step is a theory of adaptive improvement by ecological competition. In the second step Darwin uses a range of terms (e. g., choosing, repetitive picking, isolating, separating, confined breeding, selective killing) that are taken from artificial breeding. Only in the second step does he use the term natural selection, but with different meanings. Darwin's elaboration of natural selection misses three features: 1. A concise and unambiguous definition of natural selection. 2. A detailed justification of the analogy between natural and artificial breeding. 3. A grouping of the steps of artificial and natural breeding to show the parallels between the two processes. A model of the logical structure of the Theory of Natural Selection is proposed to explain the development in Darwin' thinking.

Kurzfassung

Die Entwicklung von Darwin's Selektionstheorie ist bisher nie im Detail untersucht worden. Sie lässt sich über 7 Stufen verfolgen: 1. Die Notizbücher der späten 1830er Jahre, bevor er Malthus (1826) las. 2. Die Einträge unmittelbar nach der Lektüre von Malthus. 3. Der Rest der Einträge. 4. Der „Sketch“ von 1842. 5. Der Essay von 1844. 6. Das große „Species-Book“ von 1856-1857. 7. Der „Origin of Species“ von 1859. Darwin's Theorie entwickelte sich langsam und kontinuierlich. Sie ist schwächer von Malthus beeinflusst, als bisher angenommen. Darwin war von einer klaren Analogie zwischen dem Züchtungsprozess von Nutztieren und -pflanzen und dem natürlichen Prozess der evolutiven Veränderung von Populationen überzeugt. Beide Prozesse bestehen aus zahlreichen Einzelschritten. Darwin hat nie eine eindeutige Definition von natürlicher und künstlicher Selektion vorgelegt. Vielmehr beziehen sich beide Metaphern je nach Zusammenhang auf verschiedene Schritte des natürlichen und künstlichen Züchtungsprozesses. Es ist bisher übersehen worden, dass die beiden Metaphern aus einem breiten Begriffsfeld hervorgegangen sind, die verschiedene Aspekte und Schritte des Züchtungsprozesses charakterisieren (auswählen, wiederholtes auslesen, isolieren, ausrichten, trennen, Reproduktion unter Absonderung, selektives töten). Darwin war ein hervorragender Theoretiker. Er untersuchte die Implikationen und Erweiterungsmöglichkeiten seiner Grundannahmen, indem er aus zahlreichen Daten Hypothesen und Gesetze ableitete, die er dann überprüfte. Seine Selektionstheorie wurde zu seiner Zeit und auch seither vielfach missverstanden und abgelehnt. Aus heutiger Sicht fehlt Darwin's Darstellung dreierlei: 1. Eine klare Definition der natürlichen Selektion, die den Mechanismus eindeutig feststellt. 2. Eine detaillierte Begründung für die Annahme einer strengen Analogie zwischen künstlicher Züchtung und natürlicher evolutiver Abwandlung. 3. Eine Gliederung der Prozesse der künstlichen Züchtung und der natürlichen Abwandlung in Einzelschritte, um die Parallelen zwischen ihnen aufzuzeigen. Es wird ein Modell der logischen Struktur der Selektionstheorie vorgeschlagen (als Subtheorie zur Evolutionstheorie). Der Kern der Theorie ist das Selektionsprinzip (bestehend aus erblicher Variabilität, differentieller Anpassung in Abhängigkeit der Merkmale eines Organismus und Überproduktion von Nachkommen, gemessen an den verfügbaren Ressourcen), das die (adaptive) Veränderbarkeit der Arten als Folge von differenziellem Reproduktionserfolg erklärt. Akzessorische Hypothesen, Theoreme und Postulate erklären das Wirken der Selektion in einzelnen speziellen Situationen (ökologischer, synökologischer, klimatischer, biogeographischer, u. a.) Art.

Keywords

natural selectionadaptive evolutionecological competitionDarwin