Original paper

Problematic issues of cladistics: 21. Was Darwin a cladist?

Reif, Wolf-Ernst

Abstract

DARWIN was neither a cladist nor an evolutionary systematist. He developed a hypothetical tree on the basis of the hierarchically nested Natural System (rather than any other classification): (1) to demonstrate various macroevolutionary patterns, (2) to show that the extremely incomplete fossil record fits into the Natural System and that every newly discovered extinct group supports the theory of descent, and (3) to elaborate his concepts of classification, which he never applied in theory or in practice.DARWIN’s stance with respect to the Natural System and the phylogenetic tree can only be understood if one considers what I call his Central Discovery (groups of the Natural System are groups of closest relationship because of their propinquity of descent; they are based on as many homologies as possible, and are in part paraphyletic, from a modern point of view) and his Central Postulate (higher taxa evolve gradually into new higher taxa). These two tenets did not stimulate him to develop sharp definitions of monophyly, as opposed to paraphyly, and of apomorphy, as opposed to plesiomorphy. He also did not face the MAYRian problem of branching and/or divergence as guiding principles of classification. The backbone of the Natural System was for DARWIN the Recent biota; extinct groups are to be inserted into this system (although he did not show how this is done).

Kurzfassung

DARWIN war weder Kladist noch evolutionärer Systematiker. Er entwickelte einen Stammbaum auf der Basis des hierarchisch gegliederten Natürlichen Systems (aber nicht auf der Basis irgendeines anderen, zu seiner Zeit verwendeten Klassifikationsschemas) mit folgenden Zielen: (1) verschiedene makroevolutionäre Muster darzustellen und zu diskutieren, (2) um zu zeigen, dass die Gruppen des extrem unvollständigen Fossilberichts sich in das Natürliche System einfügen lassen und dass jede neue Entdeckung einer ausgestorbenen Gruppe die Abstammungstheorie bestätigt und (3) um seine Konzepte der Taxonomie darzustellen, die er allerdings weder in Theorie noch in Praxis anwendete. DARWINs Standpunkte in Bezug auf das Natürliche System und den Stammbaum können nur verstanden werden, wenn man seine „Zentrale Entdeckung“ und sein „Zentrales Postulat“ (neue Termini) in Betracht zieht. Die Zentrale Entdeckung ist, dass die Gruppen des Natürlichen Systems Gruppen engster Verwandtschaft sind, wegen ihrer zeitlichen Nähe zum gemeinsamen Vorfahren; sie basieren auf so vielen Homologien wie möglich, sind aber – vom modernen Standpunkt aus betrachtet – durchaus nicht notwendigerweise monophyletisch, sondern vielfach paraphyletisch. Das Zentrale Postulat besagt, dass höherrangige Gruppen kontinuierlich in neue höher-rangige Gruppen evolvieren (während, vom modernen Standpunkt aus betrachtet, nur Arten, aber nicht höher-rangige Gruppen evolvieren). Diese beiden Standpunkte regten ihn nicht dazu an, scharfe Definitionen von Monophylie (im Gegensatz zu Paraphylie) und von Apomorphie (im Gegensatz zu Plesiomorphie) zu entwickeln. Er sah sich auch nicht konfrontiert mit der MAYRschen Frage, ob denn nun Verzweigung und/oder Divergenz die Leitprinzipien im Natürlichen System seien. Für DARWIN lieferte die rezente Vielfalt das Grundgerüst für das Natürliche System; ausgestorbene Gruppen müssen in dieses System eingefügt werden; wie dies zu bewerkstelligen ist, hat DARWIN allerdings nicht gezeigt.

Keywords

Darwinclassification